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Wilfried RappeneckerModerator
Lieber PuraVida,
Ich kann sehr gut verstehen, dass du bei angespannten Männern mit harten Muskeln und festem Bindegewebe selber in Anspannung gehst und dem Impuls kaum widerstehen kannst, dich anzustrengen, um „mit diesem Typen fertig zu werden“. Solch eine Reaktion ist völlig normal. Wir werden durch Anspannung quasi infiziert und spannen uns dann selber an.
In die andere Richtung geschieht etwas ganz ähnliches: wenn nämlich Klienten sehr entspannen, fällt es uns leicht, selber zu entspannen, die Shiatsu-Arbeit wird leichter, und wir gehen sehr viel leichter in Resonanz. Das gleiche Resonanz-Phänomen findet bei angespannten Klienten statt, deren Körper hart ist. Hier fällt es uns schwer, loszulassen und einfach nur da zu sein.
Darum ist es eine der wichtigsten Trainingsziele für jemanden, der Shiatsu lernt, sofort loszulassen und weit zu werden, so bald wir auf Jitsu, Widerstand oder große Anspannung treffen. Es handelt sich um ein Training, den Reflex, der automatisch einsetzt, umzupolen. Das kann man lernen, dafür es braucht große Entschlossenheit. Ich selber habe das in meinen Shiatsu-Anfangsjahren einmal sehr eindrucksvoll erlebt, als ich eine Behandlung an einem sehr großen, übergewichtigen und völlig verspannten Menschen schon abbrechen wollte. In dem Moment, als ich quasi aufgab und keinen Ergeiz mehr hatte, diesem Menschen eine gute Behandlung zu geben, weil es eben nich ging, entspannte dieser Koloss und die Behandlung wurde ein Vergnügen.
Eine gute Hilfe dabei, dies zu lernen, kann das Training der Inneren Techniken sein. Durch das Training der Inneren Techniken lernt man in seinen Shiatsu-Behandlungen den Zustand von innerer Weite kennen und kann ihn schließlich in sich aktivieren, wenn es erforderlich ist. Alle Inneren Techniken sind hierbei hilfreich, besonders aber die der Aufrichtung und Ausdehnung. Dann lernt man, dass für einen guten und tief reichenden Kontakt physische Anspannung und Enge auf Seiten des Behandlers ein entscheidendes Hindernis sein kann. Auch großer Druck im Tiefenkontakt (z.B. durch hinein Lehnen mit viel Gewicht) ist für einen tief wirkenden Kontakt eher kontraproduktiv. Viel wichtiger ist es, den Raum zwischen sich und dem Klienten sich ein wenig ausdehnen und ihn leicht werden zu lassen. Das geschieht eben nicht durch Lehnen mit Gewicht, sondern durch Aufrichten, Ausdehnen (z.B. der Arme und der Hand), und dadurch die Distanz zum Klienten leicht zu erhöhen.
Es lohnt sich, das mal genauer anzuschauen. ein Skript zu den Inneren Techniken und ein weiteres zur Inneren Technik der Aufrichtung und Ausdehnung findest du unter diesem Link: http://www.schule-fuer-shiatsu.de/shiatsu/veroeffentlichungen/deutsche-artikel.html
Was deine Reaktion bei Klienten angeht, die mit der Erwartungshaltung kommen, ein eher physisches und festes Shiatsu zu erhalten angeht, so verstehe ich auch das sehr gut. Deine Aufgabe ist es dann, dich zu entscheiden, wie du arbeiten willst. Es spricht nichts dagegen, Shiatsu sehr physisch zu geben. Das ist nicht verboten und gelegentlich sogar sehr hilfreich und genau das Richtige.
Willst du aber so nicht arbeiten, dann wende dein Shiatsu so an, wie du es für richtig hältst und wie es dir entspricht. Meistens wird der Klient, der solch ein „offenes“ Shiatsu noch nicht kennen gelernt hat, sehr zufrieden mit deinem Shiatsu sein. Möglicherweise hat er insgeheim nach einem solchen Shiatsu gesucht und jetzt endlich gefunden. Sollte das mal nicht so sein, und dein Shiatsu den Erwartungen deines Klienten nicht entsprechen, dann steh zu deinem Shiatsu und überlass es dem Klienten, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Aber wie gesagt, meistens werden sie weiter zu dir kommen, weil es sie überzeugt.
Berichte hier gerne weiter über deine Erfarungen mit solchen Klienten. Das ist sicherlich für alle PraktikerInnen von großem Interesse.
Also: wenn du auf Anspannung stößt – sofort loslassen und weit werden, Arme und Daumen sich ausdehnen lassen:-))
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Margarit,
Shiatsu ist keine Methode, um Menschen von Krampfadern zu befreien. Was Shiatsu bewirken kann ist, die energetische Situation der Beine einschließlich der Faszien auszugleichen und zu harmonisieren. Nur wenn die Krampfadern Ausdruck eine deutlichen Stagnation in den Beinen sind, dann vermag Shiatsu einen betroffenen Menschen zu unterstützen und die Krampfadern etwas lindern.
In deiner Vorgehensweise kannst du recht unbesorgt vorgehen. Eine Entzündung durch die Shiatsu Behandlung ist nicht zu befürchten. In ausgeprägte oder gereizte Krampfadern sollte man nicht hineindrücken, v.a. nicht, wenn sich unter der Krampfader so etwas wie ein „Loch“ befindet (Verbindungsvene zur Tiefe). Solltest du aber mal versehentlich auf eine Krampfader drücken, so wird das kein Problem darstellen.
Ansonsten gehst du in deinen Behandlungen so vor wie auch sonst, einschließlich Diagnoseprozess, Wahl eines Behandlungsfokus und Einsatz der Techniken.
Wenn du weitere Fragen hast, so melde dich hier wieder.
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Margarit,
Shiatsu ist keine Methode, um Menschen von Krampfadern zu befreien. Was Shiatsu bewirken kann ist, die energetische Situation der Beine einschließlich der Faszien auszugleichen und zu harmonisieren. Nur wenn die Krampfadern Ausdruck eine deutlichen Stagnation in den Beinen sind, dann vermag Shiatsu einen betroffenen Menschen zu unterstützen und die Krampfadern etwas lindern.
In deiner Vorgehensweise kannst du recht unbesorgt vorgehen. Eine Entzündung durch die Shiatsu Behandlung ist nicht zu befürchten. In ausgeprägte oder gereizte Krampfadern sollte man nicht hineindrücken, v.a. nicht, wenn sich unter der Krampfader so etwas wie ein „Loch“ befindet (Verbindungsvene zur Tiefe). Solltest du aber mal versehentlich auf eine Krampfader drücken, so wird das kein Problem darstellen.
Ansonsten gehst du in deinen Behandlungen so vor wie auch sonst, einschließlich Diagnoseprozess, Wahl eines Behandlungsfokus und Einsatz der Techniken.
Wenn du weitere Fragen hast, so melde dich hier wieder.
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Anna,
deine Frage berührt einen wichtiges Punkt in unserem Selbstverständnis als Shiatsu-TherapeutInnen.
Grundsätzlich können wir nach meiner Erfahrung im Shiatsu nur sehr eingeschränkt gezielt im Sinne einer TCM-Diagnose arbeiten. Das liegt daran, dass bei allen Gemeinsamkeiten in der Theorie beider Methoden das diagnostische und therapeutische Instrumentarium in der TCM sich deutlich von dem des Shiatsu unterscheidet.
In der TCM gibt es beispielsweise die Puls- und Zungendiagnose, die „8 Prinzipien“, die Lehre der Säfte und der Feuchtigkeit u.a.m. Die TCM hat das therepeutische Instrumentarium, um den verschiedenen in diesem diagnostischen Koordinatensystem gefundenen Zuständen direkt begegnen zu können.
Shiatsu arbeitet anders: wir benutzen andere Körperdiagnosen, die andere Seiten eines Menschen beleuchten. Viele Shiatsu-TherapeutInnen wenden das Ganzkörper-Schauen (auch Scannen genannt) an, um wichtige Eindrücke zu erhalten. Der wichtigste Eindruck vom anderen Menschen besteht darin, den Menschen als Ganzes wahrzunehmen und zu schauen, was er braucht, was ihn in seinem momentanen Prozess unterstützen könnte. Shiatsu ist viel mehr als die TCM Prozess-orientiert. Und: uns steht im Shiatsu nur in sehr eingeschränktem Maße das therapeutische Instrumentarium zur Verfügung zur Behandlung entsprechend einer TCM-Diagnose.
Das ist aber auch nicht nötig, weil die Stärken von Shiatsu in anderen Bereichen liegen, eben der Wahrnehmung des ganzen Menschen und seiner Lebenssituation. Mit der Berührung unserer Hände haben wir ein völlig anderes therapeutisches und diagnostisches Instrumentarium als die TCM. Das gilt es zu verstehen und zu entwickeln. Shiatsu ist keineswegs schwächer als die TCM, es hat ganz andere Möglichkeiten.
Shiatsu entspannt die Leber durch Berührung und man kann mit einer gewissen Berechtigung auch sagen, dass eine effektive Behandlung beispielsweise der Magen-Energie eine „Ableitung“ von Magen-Stagnation bewirken kann. Aber gerade damit, schreibst du, hast du deine Probleme. du weißt nicht, wie du Zugang zur Magen-Energie dieses Menschen finden kannst.
Mehrere Dinge fallen mir dazu spontan ein: erstens fehlen mir noch weitere Informationen: wo genau im Verlauf des Magen-Meridians ist der Meridian derart angespannt, dass du keinen Zugang findest(„in den Beinen“ ist nicht genau genug)? Es wäre sehr unwahrscinlich, wass dies im gesamten Verlauf so ist. Wahrscheinlich gibt es auch Kyo-Bereiche, die gerne berührt werden möchte, und die dir dadurch einen Zugang zur Magen-Energie dieses Mannes eröffnen. Auch kannst du – so du damit vertraut bist – mit den Techniken des Lokalen Shiatsu ggf. auch sehr feste und abweisende Meridianabschnitte erreichen, so dass sie sich deiner Berührung öffnen.
Die Energie von Magen zeigt sich darüber hinaus nicht nur im Meridianverlauf, sondern ganz wesentlich auch im „Zuhause des Organs“, welches bei Magen im linken Mittleren Wärmer, d.h. hinter und unter dem linken Rippenbogen liegt. Hier kannst du sehr gut mit den TEchniken des Lokalen Shiatsu mit der Magen-Energie arbeiten.
Und: wo sind Resonanzbereiche in anderen Orten des Körpers, mit denen die Magenenergie in Kommunikation gehen möchte? Die können in einem anderen energetischen Organ und Meridian liegen, genausogut aber auch in jeder anderen Region des Körpers, und vordergründig unabhängig vom System der Meridiane und anderer Shiatsu- oder TCM-Theorien.
Ein weiterer Punkt ist, dass sich in einer angespannten Magen-Energie häufig eine große Spannung in Gallenblase (und Leber) zeigen. Hier habe ich die Fragen: Was heißt es konkret, dass dieser Mann Stress hat im Beruf? Wieviel körperliche Bewegung hat er – treibt er Sport? Wie ernährt er sich? All das sind Umstände, welche den Zustand von Leber und Gallenblase stark beeinflussen können.
Schließlich würde ich mir noch die emotionalen Gründe für eine Le-Ki-Stagnation anschauen: welche emotionalen Umstände fordern im Leben dieses Mannes, dass er in den Energien des Mittleren Wärmers so fest wird? Kannst du dazu etwas ahnen; erfühlen? Nicht selten sind dies die wichtigsten Gründe für große Anspannung im Mittleren Erwärmer und der Leber / Gallenblase / Magen. Nach deiner Schilderung scheint bei diesem Mann die Lungenenergie mit ihren Emotionen von Bedeutung zu sein. Dann könne das Kyo der Lungen und die Spannung im Holz oder Magen wesentliche Faktoren sein, welche die Schulterschmerzen (welche Schulter – die linke, die rechte oder beide?) immer wieder entstehen lassen. Vielleicht entdeckst du aber noch andere wichtige emotionale Faktoren.
Du siehst, wir gehen anders vor als die TCM, und gerade das ist unsere Stärke. Wir sollten weniger versuchen, Sprache und Vorgehensweise der TCM isn Shiatsu zu übernehmen als unseren eigenen Shiatsu-Weg in der Arbeit mit anderen Menschen zu finden. Das ist eine durchaus große Herausforderung und stellt uns über Jahrzehnte der Praxis immer wieder vor neue Fragen und Probleme.
Wenn ich mit einem Menschen über längere Zeit auf eine bestimmte Weise gearbeitet habe, und die Beschwerden ändern sich nicht wirklich, dann schaue ich immer, wie ich noch einmal ganz anders vorgehen kann. Das erfordert den Mut, unbekannte Wege zu gehen, macht aber Freude und ist sehr befriedigend.
Ich hoffe, meine Antwort kann dich in deiner Arbeit mit diesem Klienten unterstützen. Berichte gerne wieder, wie es weiter gegangen ist.
herzliche Grüße und eine schöne Weihnachtszeit und Jahreswechsel,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Nicola,
Ich bin mir nicht sicher, ob zwischen den Schulterblättern ein Wirbelgleiten vorliegt, zumal es sich „einrenken“ ließ und dadurch die Beschwerden offensichtlich nachlassen. Meist sind hier emotionale Themen im Vordergrund, die dem Menschen aber nicht bewusst sein müssen. Du kannst mit diesem Bereich arbeiten, wie du es in deiner Ausbildung gelernt hast. Genaues Anschauen der betroffenen Region selber und seiner Verbindungen in den restlichen Rumpf, den Hals und in die Arme sind wichtig. Achte auf Unterbrechungen in diesen Verbindungen und arbeite mit ihnen.
Darf ich fragen, an welcher Schule du Shiatsu gelernt hast? Davon hängt ab, welches Handwerkszeug dir hierfür zur Verfügung steht (z.B. Meridianarbeit mit den traditionellen Meridiane oder auch mit den Masunaga-Verläufen, oder auch meridianfreies Lokales Shiatsu oder Strukturelle Techniken). Du kannst jedoch alles Gelernte anwenden, was dir in der Situation sinnvoll und hilfreich erscheint. Wichtig ist, dass der betroffene Bereich direkt angesprochen wird und (z.B. über die Meridiane) auch Resonanzbereiche angesprochen werden. Wenn du keine Standard-Sachen machst, sondern wirklich dem begegnest, was du vorfindest, werden sich die Beschwerden häufig verringern bis auflösen.
Im Lendenbereich ist ein Wirbelgleiten sehr viel häufiger anzutreffen. Die Beschwerden dort kommen meist aber nicht vom Wirbelgleiten, sondern sind durch andere Faktoren (z.B. Schutzspannung = Anspannung über energetischer Leere im Lendenbereich u.ä.). Auch damit kannst du so arbeiten, wie du es gelernt hast. Vermeide auch hier jegliche „08/15“ Vorgehensweisen, sondern arbeite sehr spezifisch mit dem, was du vorfindest. Auch hier ist es wahrscheinblich, dass die Beschwerden sich verringern werden.
Sicherlich hast du deinem Klienten bereits mitgeteilt, dass du keine Einrenkungen vornimmst. Teile ihm aber auch mit, dass du mit Shiatsu anders arbeitest, und dass deine Vorgehensweise die Muster, welche die Beschwerden verursachen, ebenfals sehr gut wenn auch auf eine andere Weise sehr gut ansprechen kann. Shiatsu ist dabei keine Wundermethode; manchmal muss man den ersten Ansatz fallen lassen, weil er sich nicht als fruchtbar erweist und noch mal auf andere Weise herangehen. Manchmal stellt man auch fest, dass Shiatsu hier nicht wirkt, aber das ist selten. Meistens wird sich eine deutliche Verbesserung der Situation ergeben.
Also los, geh auf Forschungsreise, wie du mit diesem Menschen am Besten arbeiten kannst. Und berichte gerne, wie es weiter gegangen ist.
Wilfried
20. November 2017 um 12:50 Uhr als Antwort auf: Wechselnde Rücken- und Schulter-Nacken-Beschwerden mit Kopfschmerzen #14931Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Nicola,
auch hier erscheint es mir nahezu unmöglich, etwas konkretes zu deiner Klientin zu sagen. Dazu müsste ich sie selber erfahren.
Grundsätzlich kann man aber sagen, dass solche Symptomverschiebungen keineswegs selten sind. Ihr System hat offensichtlich noch keine Lösung gefunden und wechselt nach Bedarf zwischen verschiedenen Zuständen hin und her.
Schau nach dem Gesamtzustand dieser Frau und arbeite entsprechend. Nach deiner Beschreibung scheint sie beispielsweise eine rel. hohe Anspannung im Holz zu haben, die sich auch im Nackenbereich manifestiert. Zusätzlich kannst du die Beziehung zwischen unterem Rücken und Schulter-Nacken-Bereich als Fokus für die kommenden Behandlungen verwenden. Anfangs können deutliche physische Techniken hilfreich sein. Es könnte aber sehr gut sein, dass du danach eher fein und energetich mit ihr arbeiten solltest, denn möglicherweise befindet sich ihr System unter großer Anspannung (das kann auch rel. versteckt sein).
Frag sie auch nach ihrer Ernährung und gib ihr ggf. Tipps, falls du dich hier auskennst. Stress im System kommt neben emotionalen Faktoren und Überlastungen häufig von einer ungünstigen Ernährung.
Berichte bitte weiter, wie es dir mit dieser Klientin ergeht!
freundliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Nicola,
es ist schwer bis unmöglich, zu dieser Person etwas zu sagen, weil ich sie nicht kenne, und sie auch noch nicht bei dir in der Praxis war. Ein paar Überlegungen aber sind möglich:
Finde 1. heraus, in welchem Gesamtzustand sich diese Person befindet. D.h. Erstgespräch, Körperdiagnose, Sicht auf/in den ganzen Körper (Ganzkörper-Schauen) etc. Oft spielen beispielsweise verschiedenste Stressmuster (emotional, beruflich, familiär, individuell) eine große Rolle bei Rückenschmerzen. Arbeit mit diesen Mustern, die du findest.
Finde 2. heraus, wie die energetischen und physischen Muster im Bereich der Beschwerden sind. Welche Auffällighkeiten gibt es hier? Was hat sich vom Rext abgeschnitten bzw. kommuniziert nicht gut mit dem gesamten Rücken und mit dem Rest des Körpers? Arbeite spezifisch auch mit diesen Mustern.
Frag diese Person, was sie selber regelmäßig für sich und ihren Rücken tut. Lass es dir ggf. auch zeigen. Ist das hilfreich? Führst sie es in der richtigen Weise aus? etc. Wenn sie noch nichts dafür tut, gibt ihr Aufgaben, damit sie Verantwortung für sich selber übernimmt.
Zur Gesprächsführung kann ich dir hier keine besonderen Infos geben, da dies viel zu umfangreich wäre. Nutze das, was du hierzu in deiner Ausbildung gelernt hast und sammle auf diese Weise Erfahrungen damit. Wenn dir Infos fehlen, buche einen entsprechenden Kurs.
Und berichte bitte weiter, wie es dir mit diesem Klienten erging.
herzliche Grüße,
Wilfried
20. November 2017 um 12:25 Uhr als Antwort auf: Shiatsu gewerblich oder freiberuflich während Ausbildung in Deutschland #14929Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Leda,
du kannst Shiatsu freiberuflich ausüben und musst beispielsweise kein Gewerbe dafür anmelden. Nur Steuern musst du ggf. abführen, das ist wichtig.
So lange du deine Arbeit als „Entspannungsmassage“ deklarierst, wirst du auch keine Probleme mit deinem Gesundheitsamt bekommen. Willst du nach Abschluss deiner Ausbildung Shiatsu therapeutisch einsetzen, dann brauchst du dafür den Heilpraktiker bzw. ist es sehr empfehlenswert, die HP-Prüfung zu machen.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorHallo Frohes Herz!
Hier im Forum wurde bisher 2 Mal eine Frage zur Shiatsu-Arbeit bei M.Bechterew gestellt, einmal im Oktober 2007 (Seite 12) und einmal im Oktober 2014 (ich glaube auf Seite 4). Scroll doch mal durch und schau dir die Antworten an. Dann melde dich wieder mit den Fragen, die du dann noch hast.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Caro,
Ja, du darfst diesen Mann behandeln, wenn er das möchte. Krebs an sich ist definitiv keine Kontraindikation für Shiatsu, und es gibt keinen wissenschaftlich fundierten Hinweis darauf, dass Shiatsu-Behandlungen sich bei Krebserkrankungen negativ auf den Verlauf auswirken würden oder könnten.
Da du bereits Erfahrung in der Arbeit mit krebskranken Menschen hast, wird es dir leicht fallen, den richtigen Zugang zu finden. Du kannst alles machen, was du auch sonst bei deinen Klienten tust, insofern es für diesen Mann in Ordnung ist.
Bei einigen schwer kranken Menschen mit Krebs kann ebenso wie bei anderen stark geschwächten und /oder terminal kranken Menschen eine normale Shiatsu-Behandlung zu stark sein, so dass sie sich danach schwächer und instabiler fühlen. Solche Menschen kommen in der Regel auch gar nicht zum Shiatsu bzw. man merkt an der Reaktion der ersten Behandlung bereits, dass Shiatsu hier anders und viel sanfter und zurückhaltender angewendet werden muss.
Ich habe in diesem Forum schon ein oder zwei mal zur Frage Shiatsu bei Krebs geantwortet. In meinen früheren Antworten findest du vielleicht auch noch einige interessante Aspekte. Leider funktioniert die Suchfunktion hier im Forum nicht. Du musst dafür darum alle Themen durchscrollen. Geht schneller als man denkt:-))
Außerdem war „Shiatsu mit krebskranken Menschen“ ein Thema des 2. Europäischen Shiatsu-Kongresses 2007. Im Reader dieses Kongresses von 2007 findest du Beiträge von Patrizia Stefanini und Thea Bailey dazu. Den Reader kanst du im Kientalerhof bestellen.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Sandy,
Die Ferien sind vorbei, darum jetzt eine Antwort von mir.
Du kannst in der Schwangerschaft sehr gut Strukturelle Techniken einsetzen, auch ggf. mit Druck im LWS-Bereich, so lange sie wie du schreibst noch gut auf dem Bauch liegen kann. Voraussetzung: für die Schwangere Frau fühlt sich das o.k. an. Schwangere können das meist sehr gut einschätzen.
Von speziellen Bauchbehandlungen bei schwangeren Frauen weiß ich nichts, außer dass es oft sehr gut ist, ihren Bauch individuell zu behandeln. Vielleicht kann jemand anderes diese Frage beantworten?
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Jana,
hier noch ein Nachtrag.
auf dem 3. Europäischen Shiatsu Kongress in Kiental 2011 wurde das Thema Shiatsu bei Burnout ausführlicher behandelt. Den Reader dieses Kongresses mit den Burnout-Beiträgen erhältst du im Büro des Kientalerhofes info@kientalerhof.ch.
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Jana,
ich glaube, es hat dir bisher niemand geantwortet, weil du ein solch komplexes Thema angesprochen hast, dass sich niemand richtig daran getraut hat. Auch meine Antwort wird viel zu kurz ausfallen.
Ja, Shiatsu ist gut für Menschen in einer Burnout-Situation. Du schreibst richtig, dass solche Menschen für lange Zeit zu sehr im Yang gelebt haben, ihre Grenzen und ihr Yin nicht genügend beachtet haben. Ich würde mich dagegen verwehren, von Wasser-Burnout und von Holz-Burnout zu sprechen, weil das die Sache viel zu sehr verkürzt.
In aller Regel ist der ganze Mensch betroffen in allen seinen Elementen; es handelt sich um einen körperlichen, seelischen und geistigen Erschöpfungszustand. Sicherlich spielt die Beziehung zwischen Holz und Wasser eine besondere Rolle, weil das Holz das wichtigste Element ist, das den Menschen in die Aktivität treibt, so dass er trotz Erschöpfung immer noch weiter machen kann. Gleichzeitig schwächt diese Dauer-Aktivität die Fähigkeit dieses Menschen, mit seiner Kraft im Wasser in Kontakt zu treten, um zur Ruhe zu kommen und wieder aufzutanken: das Wasser erschöpft sich. Die Folge ist, dass dieser Mensch quasi auf Pump lebt und alle Warnungen des Körpers, endlich zu unterbreechen, in den Wind schlagen kann.
Menschen im Burnout sind oftmals sehr motivierte und begeisterungsfähige Menschen. Auch emotionale Faktoren (z.B. das Gefühl, viel leisten zu müssen, um ein guter Mensch zu sein) bringen sie dazu, ständig mehr zu leisten als sie eigentlich können, ständig über ihre Grenzen hinaus zu gehen.
In der Behandlung kommt es darauf an, den Menschen ganz zu erfassen, getreu dem Motto „Diagnose heißt Verstehen“. Wie ist seine aktuelle Situation in den Elementen und Organen, in seinem Körper und seelisch? Wo (welches Organ, welche Stelle im Körper, welcher Aspekt im Gespräch) kann ich ansetzen, dass dieser Mensch „runterkommen kann“, sich selber annehmen kann, seine Situation erkennen und annehmen kann. Die Antwort darauf findet sich in der Behandlung. Sehr häufig spielen emotionale Faktoren aber auch Erfahrungen / Verletzungen aus früheren Jahren eine große Rolle, jedoch stehen die nicht immer im Vordergrund.
Wichtig ist, dass dieser Mensch seine Situation erkennen und annehmen kann, und dass er den Mut hat, ganz durch das Tal der Erschöpfung zu gehen und dann „auf der anderen Seite“ langsam wieder aufzusteigen. Das beinhaltet die Bereitschaft, die Lebensweise, die ihn in den Burnout getrieben hat, genau anzuschauen und Entscheidungen zu treffen, die eine Änderung bewirken. Das begleitende Gespräch kann hier sehr wichtig werden, manchmal ebenso wichtig wie die Behandlung selber.
Du hast Recht, Körperübungen sind eine sehr gute und effektive Möglichkeit, aus der Tiefe des Burnouts wieder aufzusteigen, weil sie helfen, dass der Mensch sich in seiner realen Situation verankert und nicht in einer Pseudo-Situation von Wünschen und v.a. Ängsten. Genau wie die Körperarbeit – Shiatsu – helfen Körperübungen dem Menschen, sich in seinem Körperraum zu verankern. Das ist neben Veränderungen der Lebensweise der wirksamste Schutz gegen ein erneutes Eintreten in das Burnout-Verhaltensmuster.
Tiefe Bauchatmung kann ohne Zweifel sehr gilfreich sein, auch Hara-Übungen wie Selbst-Ampuku. Aber auch nahezu jedes andere Körperübungssystem ist hilfreich, wenn es ernsthaft und dauerhaft praktiziert wird. Es kommt darauf an, dass für diesen Menschen richtige zusammen mit ihm zu finden – und ihn dann auch zu motivieren, dauerhaft zu praktizieren.
Das sind die Dinge, die mir adhoc zu deinen Fragen einfallen. Ich würde mich freuen, wenn auch andere PraktikerInnen von ihren Erfahrungen berichten würden.
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Joy, danke für deine Fragen, die einen sehr wichtigen Aspekt unserer Arbeit beleuchten. Dasnke auch für deine Antwort, chiara.
Ich stimme dir zu, es ist das Credo unserer Gesellschaft, dass Krankheit und Schmerz nicht sein dürfen. Sie werden als Hinweis darauf gesehen, dass etwas falsch läuft, und dass der Mensch ein Recht darauf hat, davon sofort befreit zu werden. Seit die Sache mit dem Schmerzgedächtnis en vogue ist, sollen Menschen nach Ansicht vieler sogar ihren Schmerz möglichst gar nicht mehr erleben. Die aktive Auseinandersetzung mit dem Schmerz und anderen leidvollen Erfahrungen ist jedoch essentiell für unsere Gesundheit.
Klienten, die zu uns kommen, haben häufig eine eingeschränkte Wahrnehmung ihres Körpers. Sie haben verlernt, ihren Körper wahrzunehmen, oft weil sie Angst vor ihrem Körper und möglichen Problemen haben, oder weil sie nicht wissen, dass sie sich und ihren Körper wahrnehmen können. Das Glaubensbekenntnis unserer Gesellschaften zur Gesundheit sagt ihnen zudem, dass das nicht notwendig ist.
Auch fühlen sich viele unserer Klienten nicht wirklich verantwortlich für ihre eigene Gesundheit oder sie wissen nicht, dass und wie sie Verantwortung für sich übernehmen können. Diese Gefühl der eigenen Verantwortung und das Wissen um die Selbstwirksamkeit ist jedoch Voraussetzung dafür, die richtigen Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen und auch umzusetzen.
Mit dieser Situation verantwortungsvoll und respektvoll umzugehen, ist eine der großen Herausforderungen in unserer Praxis. Ich danke dir, dass du darauf aufmerksam gemacht hast.
Ich denke, wir sollten immer ehrlich sagen, wie wir eine Sache sehen, auch wenn wir keine Ärztin oder Heilpraktikerin sind. Das erfordert mitunter Mut. Gleichzeitig sollten wir nicht missionarisch werden und unsere Klienten ‚zu ihrem eigenen Wohl’ in eine bestimmte Richtung drängen. Bevor ich beispielsweise einer KlientIn sage, dass ich es wichtig finde, dass sie den Schmerz erlebt, muss in aller Regel ein großes Vertrauensverhältnis entstanden sein. Sonst würde es nicht funktionieren, der Klient würde ggf. nicht wieder kommen und nichts wäre gewonnen.
Wir können wenn ein solches Vertrauensverhältnis besteht eine potentiell störende Wirkung von Medikamenten ansprechen. Jedoch sollten wir nie darauf drängen, dass unsere Klienten ein ärztlicherseits verordnetes Medikament nicht einnehmen. Wir sollten vermeiden, dass sie durch unsere Worte beginnen, ihren eigenen Ärzten / Heilpraktikern nicht mehr zu vertrauen.
Shiatsu wirkt auch, wenn Medikamente eingenommen werden. Es ist richtig, dass die Wirkung durch verschiedene Medikamente unterschiedlich stark beeinflusst werden kann. Aber eine Wirkung ist dennoch da. Auch ohne dass Medikamente im Spiel sind, reagieren Menschen sehr sehr unterschiedlich auf unsere Berührung. Nicht selten ist es überraschend und dann auch faszinierend, was sie daraus machen und wofür sie die Berührung verwenden. Das kann unsere Geduld auf eine Probe stellen.
Weißt du, ob bei deinen Klienten, die du als Beispiel anführst, die von dir vermutete verzögerte Wirkung von Shiatsu durch die Medikamente verursacht wurde oder ob es nicht vielleicht einfach eine davon unabhängige individuelle Wirkung war?
Viele allopathische (schulmedizinische) Medikamente sind ein Segen, wie du auch schreibst. Beispielsweise können vorübergehend verordnete Antidepressiva für Menschen in einer schweren depressiven Phase eine große Hilfe sein, um heil durch die Krise zu kommen. Zur gleichen Zeit kann Shiatsu eine große Unterstützung für sie bedeuten, die manchmal als wirkungsvoller erlebt wird als die Wirkung der Antidepressiva.
Mein Tipp für dich daher: nimm die Menschen wie sie sind. Arbeite mit ihnen auch, wenn sie starke Medikamente einnehmen und finde heraus, wie dein Shiatsu bei ihnen wirkt und wie du es ihrer jeweiligen Situation anpassen kannst.
Der Artikel zur ganzheitlichen Heilung, auf den du mit einem Link hinweist, ist sicherlich interessant. Er hat allerdings mit unserer Shiatsu-Arbeit nicht viel zu tun, es sei denn, wir arbeiten viel mit herzkranken Menschen, arbeiten mit entsprechenden Ärzten bzw. Therapeuten zusammen und kennen uns selber gut damit und mit Bluthochdruck aus.
Es ist richtig, dass manche Patienten mit einer Herzschwäche nicht flach liegen können. Das wissen sie jedoch selber, und sie werden es dir sagen, sollten sie zu dir zum Shiatsu kommen. Klienten, die nachts unangenehmen Druck im Brustkorb erleben und schlechte Träume mit Druckgefühlen haben, sollte man immer nach Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme am Abend befragen und ihnen ggf. testweise vorschlagen, abends nichts oder nur noch sehr wenig zu essen und auch nichts mehr oder sehr wenig zu trinken.
Eine letzte Anmerkung noch: mir ist nicht bekannt, dass Shiatsu Embolien oder Thrombosen auslösen könnte. Behandlungen, welche den Prinzipien des Shiatsu folgen, werden auch bei Menschen mit Atherosklerose (Arteriosklerose) zu keinen neurologischen Problemen führen. Warum sollte man bei Diabetes nur oberflächlich arbeiten? Solltest du Literatur zu ernsthaften Nebenwirkungen von Shiatsu kennen, bitte ich dich, mir dies hier mitzuteilen. Shiatsu ist, wenn es richtig durchgeführt wird, sehr komplikationsarm. Natürlich muss man aber seine Behandlungen an den Zustand v.a. kranker Klienten anpassen.
Wenn du, wie du es in deiner Ausbildung gelernt hast oder lernst, achtsam mit dem Raum deiner Klienten arbeitest, die körperlichen und energetischen Strukturen vor allem erkunden möchtest, in ihrem Zentrum berühren und nicht manipulativ verändern willst aber den durch deine Berührung eintretenden Veränderungen entspannt zuschaust, dann bist du ziemlich sicher, dass von gelegentlichen Erstverschlimmerungen abgesehen keine kritischen Nebenwirkungen entstehen werden.
Viel Freude in deinem Shiatsu!
Herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLieber Thomas,
Klar kannst du den Bindegwebsstrich beidseits der Wirbelsäule machen. Das ist sehr interessant und du wirst gute Ergebisse haben. Ich kann allen nur empfehlen, diesen Test ebenfalls zu machen und Erfahrungen damit zu sammeln.
Allerdings: du musst dafür in der Behandlung den Rücken entkleiden und anschließend wieder einpacken, was im Shiatsu nicht üblich (und auch nicht nötig) ist. Außerdem sind die Ergebnisse nicht identisch mit denen der Yu-Punkt-Diagnose, weil die Yu-Punkt-Diagnose noch weitere energetische Qualitäten wahrnimmmt als nur die Situation des Bindegewebes.
Wenn du in deiner Ausbildung weiter fortgeschritten bist, wirst du sehen, dass die Yu-Punkt-Diagnose einen Zugang zu deiner energetischen Wahrnehmung anbietet. Dabei geht es nicht nur um die physischen Qualitäten z.B. des Bindegewebes sondern um weitere „Informationen im Raum“ zu dieser Person, die weit über physische Besnderheiten hinaus gehen. Das wird richtig spannend.
Ich kann dir darum nur empfehlen: bleib in der Yu-Punkt-Diagnose am Ball und sammle so viele Erfahrungen damit wie möglich.
Herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorHi Nuno,
Good to read from you!
In fact there is more than just one option when choosing a focus area. You can take any of the suggestions you make:
For Spleen you can choose either the diagnostic area around the navel or the left hypochondrium. It is up to you to decide which focus makes more sense to you in a treatment. Personally I tend to take the area around the navel. But this is not always so, and others may do it differently.
For small intestine you may also choose the diagnostic area(s) or the area in the lower hara in a semicircle below the navel. This is where Small interstine is also present in a physical sense. Of course the diagnostic areas are within the second choice.
Same with Large Intestine: You may choose the diagnostic area(s) or the area in the lower abdomen which is somewhat lateral to bladder / closer to the groin.
Does this answer your question?
With love, WilfriedWilfried RappeneckerModeratorLiebe Andrea,
Ich würde deinem Klienten antworten, dass er sich am Besten des Lebens freuen solle. Es ist recht unwahrscheinlich, dass es zu einem Rezidiv kommt.
Wenn, dann bemerkt er das an den Schmerzen. In diesem Fall sollte er innrerhalb weniger Stunden ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Es ist aber wie gesagt recht unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintritt.
Seine Angst hat möglicherweise noch ganz andere Ursachen, und er projiziert diese nur auf die vermeintliche Gefahr einer erneuten Hodentorsion?
Wie dem auch sei: du wirst ihm seine Angst nicht nehmen können, aber du kannst ihm helfen, auf gute Weise mit ihr umzugehen. Dabei helfen Gespräch und Berührung.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Andrea,
Hier handelt es sich nicht um eine Shiatsu-Frage im engeren Sinne. Menschen mit einer akuten Hodentorsion kommen in der Regel nicht in unsere Praxis. sie haben Schmerzen und gehen – möglichst sehr bald – zum Arzt. Ob Shiatsu ein Rezidiv (erneutes Auftreten) einer Hodentorsion verhindern kann, entzieht sich meiner Kenntnis, da ich einen solchen Mann noch nicht behandelt habe. Ich bezweifele es aber.
Grundsätzlich können Rezidive einer Hodentorsion durchaus vorkommen, sogar wenn der Hoden fixiert wurde. Solche Rückfälle sind aber selten.
Warum fragst du denn nach? Hat dein Klient Angst, dass Shiatsu eine erneute Torsion auslösen könnte?
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Roswitha,
Ich arbeite auch mit krebskranken Menschen. Es gibt keinen wissenschaftlich begründeten Hinweis darauf, dass Shiatsu (oder Massage) das ausbreiten von Krebszellen im ganzen Körper begünstigt. Diese Vorstellung beruht offensichtlich auf einem recht mechanistischen Bild des menschlichen Körpers. Gleichwohl ist sie in der Massage und auch im Shiatsu weit verbreitet.
Entsprechend ist die Arbeit mit krebskranken Menschen nach meinem Verständnis noch nie eine heilige Kuh gewesen. Sie muss also auch nicht geschlachtet werden:-))
Shiatsu kann für krebskranke Menschen eine große Unterstützung darstellen. Z.B. weil Shiatsu die Nebenwirkungen von Chemotherapie mindern kann. Aber auch, weil die positive Erfahrung des eigenen Körpers durch Shiatsu helfen
kann, einen guten Weg zu finden, mit der Krankheit und der Therapie umzugehen und auch mehr Licht im Leben zu erfahren.herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Irmgard,
natürlich können wir lernen, uns selber wahrzunehmen und auch in gewisser Weise eine Diagnose bei uns selber zu stellen; dies sowohl im medizinischen Sinne als auch im Sinne der energetischen Befundung des Haras.
Allerdings sagt die Erfahrung, dass die Selbsteinschätzung deutlicheren Trübungen unterliegt als die Wahrnehmung einer anderen Person, auch wenn die ebenfalls prinzipiell subjektiv ist und damit Verzerrungen unterworfen. Kurs gesagt: eine andere Person kann dich klarer wahrnehmen als du selber, v.a. weil sie mehr Distanz zu dir hat als du es jemals haben kannst. Das gilt auch für die Hara-Diagnose.
Zudem ist der Berührungskontakt, wenn du die Hara-Diagbnose an dir selber durchführst, ein anderer als wenn eine andere Person dich berührt. Idealerweise ist die andere Person ein Neutrales Gefäß, welches die Eindrücke der Berührung der Zonen im Hara registriert, loslässt und am Ende zu einem Bild zusammen fügt. Dieses neutrale Gefäß kanst du nicht sein, wegen der fehlenden Distanz, aber auch, weil deine Körperhaltung bei der Selbst-Diagnose nicht neutral dem ganzen Hara zugewandt sein dürfte, sondern du blickst quasi „von oben“, von deinem Kopf her.
Für mich kommt noch etwas anderes hinzu: ich sehe und erfahre die Hara-Diagnose nicht nur als eine Einschätzung des Zustandes der energetischen Organe, sondern immer auch als eine Begegnung mit diesem Menschen. In den einzelnen Zonen finden sich im Moment der Berührung so viele andere Eindrücke und Informationen von diesem Menschen, Freude und Not, Angst und Trauer, Stress und Sicherheit, die sich oft gar nicht in Worte fassen lassen, jedoch sehr wichtig sind für die Behandlung. Diese Eindrücke kannst du nicht oder nur zu einem kleinen Teil erhalten, weil du dir selber gegenüber in gewisser Weise blind bist – du hast nicht genügend Abstand zu dir selber.
Fazit: übe die Selbst-Diagnose am Hara weiter, du kannst viele wertvolle Erfahrungen damit machen. Wenn du aber wissen genauer wissen möchtest, was das Hara über dich sagt, dann vertraue dich einer KollegIn an, das ist zuverlässiger.
liebe Grüße, Wilfried
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