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6. Dezember 2016 um 11:19 Uhr als Antwort auf: Nach Behandlung Beschwerden an anderer Stelle des Körpers #13498Wilfried RappeneckerModerator
Liebe Caroline,
Es kann natürlich sein, dass du Fehler gemacht hast; das kann ich nicht beurteilen. Deine Vorgehensweise aber macht für mich Sinn, und die entstandenen Beschwerden auf der anderen Körperseite sind eher nicht Ausdruck eines Fehlers. Es kommt nicht selten vor, dass nach einer guten Behandlung Beschwerden an anderer Stelle des Körpers auftauchen, wo vorher keine Beschwerden waren.
Du kannst das so verstehen, dass der Körper immer in einem Gleichgewicht ist. Bestehen Beschwerden, so sind die Beschwerdemuster ebenfalls Teil dieses Gleichgewichts. Wenn sich die Muster nun auf Grund deiner effektiven Arbeit verändern, dann wird auch das alte Gleichgewicht gestört und muss sich neu finden. Dabei kommen nicht selten schon vorher bestehende Blockademuster ‚an die Oberfläche‘, d.h. werden spürbar und verursachen Probleme. Auch können solche Folgemuster durch deine Arbeit und dem Suchen nach einem neuen Gleichgewicht neu entstehen.
Grundsätzlich gilt, dass solche in der Folge deiner ersten Behandlung entstandenen Muster sich häufig bald auflösen. Mehrheitlich reagieren sie auch gut auf manuelle Intervention; dein Hausbesuch machte also Sinn. Allerdings sollten man dafür das normale (Hausbesuch-)Honorar verlangen und nicht (aus einem evtl. aufgekommenen schlechten Gewissen) kostenlos oder deutlich verbilligt arbeiten, denn die Beschwerden sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht durch einen Fehler deinerseits entstanden, sondern sind Ausdruck des durch deine gute Arbeit ausgelösten Prozesses. Mit der Folgebehandlung führst du diesen Prozess fort.
Eine Frage habe ich noch: hatte dein Klient nach der Folgebehandlung wieder oder immer noch das Gefühl, schief zu sein? Wie erging es ihm, in den Tagen danach (falls du diese Infos überhaupt von ihm erhalten hast)?
Herzliche Grüße und mach weiter, du bist auf einem guten Weg,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLieber Dieter,
Aus meiner Sicht ist Shiatsu grundsätzlich keine Methode, um TCM-Syndrome wie Leber-Schleim-Hitze zu behandeln. Diese Syndrome sind Kriterien der TCM, und die TCM hat auch die Instrumente, um entsprechend spezifisch zu behandeln.
Shiatsu arbeitet anders. Wir folgen einer anderen diagnostischen Leitschiene wie z.B. der Frage nach kyo und jitsu in den Organen / Meridianen und wo im Körper Ki am deutlichsten stagniert. Auch die aktuelle seelische Lebenssituation vor dem Hintergrund der Biographie dieses Menschen kann eine große Rolle spielen. Dann behandeln wir mit unseren Händen, und erlauben dem Körper dadurch neue Erfahrungen zu machen, die es ihm erleichtern, sich selber ins Lot zu bringen.
Gleichwohl lassen sich Shiatsu und TCM gut verbinden. Man sollte jedoch die grundsätzlichen Unterschiede nicht aus dem Blick verlieren.
Insgesamt scheint deine Klientin gut auf deine Behandlungen zu reagieren, wenn die Anfälle von 1x alle 2 Monate auf 2x jährlich abgenommen haben. Was spricht dagegen, auf die Weise fortzufahren, wie du es bisher getan hast?
Was mich interessieren würde: wie alt ist deine Klientin? Wie angespannt oder entspannt ist deine Klientin in ihrem Mittleren Wärmer resp. in ihrem Holz und in Magen? In welcher Verfassung befindet sich ihr Milz-Pankreas? Wie entspannt oder angespannt ist sie in ihrem Blasenmeridian? Könnten seelische Faktoren und ggf. Belastungen in der Kindheit eine bedeutsame Rolle in ihrem Leiden spielen? Nicht zuletzt: gibt es eine schulmedizinische Diagnose – z.B. Anorexie?
Wenn du mir diese Fragen beantwortest, kann ich vielleicht mehr aus Sicht des Shiatsu dazu sagen.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Liane,
das Buch von Carola Beresford Cook ist auf jeden Fall eine gute Einführung in Shiatsu. Es ist gleichzeitig auch anspruchsvoll. Viel Freude und Erkenntnisse bei der Lektüre,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Anna,
Danke für deine abschließenden Beitrag, dem ich mich weitegehend anschließen kann.
Erlaube mir bitte trotzdem noch eine kurze Anmerkung:
Im Punkt 2 deiner Liste würde ich für mich Klarheit und Offenheit deutlich vor Präsenz und Abgrenzung setzen, weil ich sie für zentraler halte, auch wenn die beiden letzten sicherlich unverzichtbar sind.
Übungen und Meditation sind aus meiner Sicht keine unerlässlichen Voraussetzungen für die Fähigkeiten unter Punkt 2. Sie sind aber eine große Hilfe. Das ist für mich ein kleiner aber wichtiger Unterschied.Danke für den austausch und herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratortoller Slogan: Shiastu statt Bungee Jumping.
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Chiara,
Das ist in der Tat eine wichtige Frage. Und: ich vermute hier ein Missverständnis.
Ich denke, dass ich nicht von einer genauen Anamnese gesprochen habe, sondern davon, in der Anamnese keine Furcht vor Fragen zu haben, die sehr persönliche Dinge angehen (wenn es sinnvoll ist danach zu fragen, was meist der Fall ist) und auch medizinische Diagnosen.
Was wir im Erstgespräch (diesen Begriff ziehe ich gegenüber dem medizinischen Begriff der ‚Anamnese‘ vor) von dem Klienten erfahren möchten, ist v.a. ein Gefühl für seine Lebensituation. Diagnose heißt eben Verstehen, und wenn wir einen Menschen in seiner Lebensituation verstehen möchten, dann brauchen wir auch relevante Infos, z.B., wenn so etwas im Raum stehen sollte, die einer medizinischen Diagnose.
Es ist die Natur medizinischer Diagnosen, dass sie Angst machen. Menschen fühlen sich zudem damit nicht selten allein gelassen. Einfühlsame Fragen bezüglich einer medizinischen Diagnose können dem Klienten das Gefühl geben, nicht allein zu sein, und du bekommst u.U. sehr wertvolle Informationen. Wertvolle Informationen darüber, was bei diesem Menschen im Vordergrund steht, manchmal sehr dringend. also keine Scheu davor, nach Diagnosen zu fragen.
Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass wir nicht „mitgebrachte Diagnosen ganz genau erfragen“, sondern lediglich, dass wir keine Scheu haben, auch schwerwiegende Diagnosen (und genauso auch andere schwierige Themen) offen anzusprechen. Davor scheuen nach meiner Erfahrung viele Shiatsu-Therapeuten zurück. Natürlich ist es dann hilfreich, wenn einem die jeweilige Dianose auch etwas sagt – es ist also sinnvoll, so man diese Diagnose nicht kennt, anschließend zu googeln und in Erfahrung zu bringen, was es darüber zu wissen gibt. Das gibt dir übrigens das Gefühl, in deiner Arbeit sicherer zu sein.
Wenn man die Diagnose kennt und versteht, soll man sie loslassen und schauen, was aus der Sicht des Shiatsu bei diesem Menschen tatsächlich los ist. Dazu dienen die anderen Fragen im Erstgespräch: die Fragen z.B. nach den 5 Elementen, das genaue Nachfragen nach konkreten Beschwerden (wo genau, seit wann, wodurch ausgelöst, was macht es besser, was schlechter etc.etc.), ebenso aber auch das Schauen und den Menschen in der Berührung erfahren. Die Fragen nach den 5 Elementen und nach den konkreten Beschwerden weswegen ein Klient zu uns kommt, sind keine Fragen zur medizinischen Diagnose sondern Fragen, um zu erfahren, was dort im Körper des Klienten konkret vor sich geht.
Die medizinische Diagnose ist Ausdruck der Sicht des Menschen, wie ihn die Medizin entwickelt hat. Diese Sicht hat ihre Berechtigung und ist in der Medizin auch unabdingbar. Shiatsu sieht und versteht den Menschen aber ganz anders, darum ist es essentiell, die medizinische Diagnose loszulassen, und wirklich auf diesen Menschen einzugehen. Ich sage dann immer: den Mut haben, nicht zu wissen – und dann zu entdecken. Shiatsu-Therapeuten sind in der Regel keine Mediziner und verstehen nur wenig von der Medizin. Die Schulmedizin wiederum versteht in der Regel überhaupt nicht, was wir im Shiatsu machen und welche Chancen das dem Menschn bietet. Wenn sie es wüssten, würden sie viel mehr Shiatsu einsetzen, z.B. im Krankenhaus.
Dadurch, dass wir auch nach einer medizinischen Diagnose (und anderen heißen Themen) fragen, zeigen wir, dass wir keine Scheu vor schwierigen Lebensthemen haben, und dass der Mensch sich uns anvertrauen darf. Wir erhalten wichtige Einblicke in die Lebensituation dieses Menschen. Unsere Vorgehensweise im Shiatsu wird jedoch nicht durch die medizinische Diagnose bestimmt, sondern durch unseren umfassenden Einndruck von diesem Menschen.
Ich habe übrigens nur sehr selten die Erfahrung gemacht, dass Klienten glauben, dass ich nun wie ein Mediziner die medizinische Diagnose bekämpfen würde. Wenn so etwas vorkam, dann habe ich klar gestellt (und es ist wichtig, das zu tun) , dass wir im Shiatsu ein anderes Bild vom Menschen haben als die Schulmedizin, dass wir Beschwerden und Krankheiten nicht bekämpfen, sondern im Klienten die Freiheit unterstützen, andere Lösungen zu finden als diese Probleme. Denn die Probleme sind nahezu immer auch eine Lösung für andere Konstellationen und Probleme in diesem Menschen. Du würdest es wahrscheinlich anders erklären. Wichtig ist nur, dass du keine Missverständnise aufkommen lässt, wie du arbeitest, und dass du den Reichtum deines Shiatsu zeigst.
Wird es so verständlich?
herzliche Grüße, Wilfried
- Diese Antwort wurde vor 9 Jahren, 3 Monaten von Wilfried Rappenecker geändert.
- Diese Antwort wurde vor 9 Jahren, 3 Monaten von Wilfried Rappenecker geändert.
Wilfried RappeneckerModeratorLiebne Chiara,
kannst du deine Frage bitte noch einmal als ein eigenes, neues Thema im Forum stellen? Jetzt fällt sie unter Osteoporose; da kann sie leicht verloren gehen bzw. übersehen werden. Ich verspreche, ich werde rasch antworten.
Liebe Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Eva,
Da sieht man mal wieder, wie wichtig eine genaue Anamnese ist!
Ohnehin sollte man sich von medizinischen Diagnosen nicht zu sehr beeindrucken lassen. Sie sind wichtig und geben uns eine sehr wichtige Orientierung. Dann aber müssen wir sie gewissenmaßen loslassen und schauen, was aus Sicht des Shiatsu dort im Körper des Klienten wirklich los ist und unsere Vorgehensweise dem exakt anpassen. Dann kann man auch mit schwer kranken Menschen gut arbeiten. Diese Frau scheint allerdings nicht schwer krank zu sein.
Bezüglich SD-Unterfunktion kenne ich keine Shiatsu-Literatur. Hier gilt aber das gleiche, was ich im vorigen Absatz geschrieben habe: wir arbeiten nicht mit oder gegen eine medizinische Diagnose, hier SD-Unterfunktion, sondern direkt mit dem Menschen und dem, was er uns zeigt. Shiatsu ist keine Methode, um eine SD-Unter- oder Überfunktion zu therapieren. Gleichwohl wird Shiatsu gelegentlich Auswirkungen auf die SD-Funktion haben. Welche genau, das kann ich selber nicht sagen, dazu habe ich zu wenig Erfahrung mit Menschen mit solchen Funktionsstörungen der SD.
Zum nächtlichen Zähneknirschen gibt es zwei Punkte, die für uns von Interesse sind.
• Zum einen hat das meist mit einer großen Spannung im Holz und/oder in der Erde zu tun und z.B. mit den entsprechenden Anspannungsmustern v.a. in der oberen Halswirbelsäule. Findet man ein solches Holz-Muster, dann ist die Frage, warum entwickelt dieser Mensch dieses Spanungsmuster im Holz? Emotionale Gründe? Berufliche Gründe? Ist es vielleicht das (u.U. familiäre) Grundmuster dieses Menschen? Ernährung und Lebensweise?
• Zum anderen knirschen viele Menschen nachts mit den Zähnen, die als Jugendliche eine Zahnspange, Braces oder ähnliches zur Korrektur des Gebisses getragen haben. Dann versucht der Körper häufig in der nächtlichen Ruhe, diesen für ihn fremden Zustand zu überwinden und zu den alten „richtigen“ Zuständen zurück zu kehren. Das kann das ganze Leben so gehen bis ins hohe Alter.
Die Zähne können und wollen wir mit Shiatsu nicht zurück schieben. Wohl aber können wir mit den dann oftmals schon seit Jahren oder Jahrzehnten bestehenden Spannungsmustern in der Kaumuskulatur und im Nacken-Schulter-Bereich arbeiten und hier Lösungen fördern. Direkte Arbeit mit der Halswirbelsäule und der dortigen Muskulatur und Faszien sowie mit dem M. Masseter und allem umliegenden Gewebe kann hier sehr hilfreich sein.
Meridianarbeit: alles, was die Hara- oder Rückendiagnose verrät und was unser sonstiger Eindruck uns sagt.Frag also bei dieser 80-jährigen Klientin wieder genau nach, um die nötigen Infos zu erhalten und dann arbeite konkret und intuitiv wie immer:-)
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Anna,
Die Frage ist doch, was geschieht da, wenn es in der Behandlung zu einem Release kommt, wenn es sich plötzlich leichter anfühlt, bzw. wenn sich der Raum nach eine Behandlung dicht anfühlt mit unangenehmem, „verbrauchtem“ Geruch.
Sicherlich ist das Modell von Jaki und Seiki schön einfach. Vor allem deshalb, weil es von mir selber ablenkt. Seiki und Jaki sind Erscheinungen außerhalb von mir, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe. Ich muss nur auf sie reagieren: Seiki – ja bitte, Jaki – bitte nicht. Du beschreibst darüber hinaus Seiki und Jaki als „schlaue Wesenheiten“ mit eigener Intelligenz. Dadurch bekommt dieses Modell etwas Greifbares, quasi Reales.
Man kann das, was da geschieht im Augenblick eines Release, auch anders interpretieren. Man kann es z.B. verstehen als eine in dem Augenblick eintretende Veränderung im energetischen Feld des Klienten. Wenn der Klient ein lange gehaltenes Muster (Leber-Ki-Stagnation) loslassen kann, das in aller Regel eine deutliche emotionale Beteiligung hat, so ist das wie eine Öffnung. Ein Druck weicht von dem Klienten, der Druck der Leber-Ki-Stagnation, welche zu ihrer Aufrechterhaltung, oft über Jahre und Jahrzehnte, ein hohes Maß an Energie gebunden hat. Muss diese Stagnation nicht mehr aufrecht erhalten werden, so wird das in der Tat wie eine Befreiung erlebt, als wenn eine Last von einem genommen wird. Da im Therapeutischen Raum die behandelnde Person in Resonanz mit dem Feld des Klienten steht, erlebt sie diese Entlastung oft deutlich spürbar mit.
Gleichzeitig ist nach einer intensiven Behandlung mitunter eine Dichte im Raum spürbar, und man öffnet das Fenster, um frische Luft herein zu lassen. Meine Erklärung für dieses Phänomen ist nicht die schlaue Wesenheit Jaki, die sich ein neues Opfer sucht. Vielmehr verstehe ich es als Ausdruck von Stoffwechselvorgängen im Organismus des Klienten als Folge bzw. im Verlauf der tief reichenden Behandlung. Wahrscheinlich ist das bisher nicht wissenschaftlich belegt, aber ich stelle mir vor, dass vor allem über die Atmung, vielleicht auch über die Atmung der Haut, im Zuge des Release frei werdende Stoffwechselprodukte („Abfallprodukte“) ausgeschieden werden.
Du schreibst: „Mir geht es immer dann besser, wenn ich verstehe, womit ich es zu tun habe und mich nicht einem namenlosen Phänomen ausgesetzt fühle.“ Das verstehe ich sehr gut. Es ist ein allgemeines menschliches Phänomen, dass wir uns wohler fühlen, wenn wir das, was da geschieht, (im Rahmen unserer eigenen Vorstellung von Wirklichkeit) erklären können. Dann haben wir das Gefühl, wir wissen, womit wir es zu tun haben. Das gibt Sicherheit. Solche Erklärungen nennt man Modelle, d.h. sie bilden nicht die objektive Wirklichkeit ab, sondern unser Verständnis von der Wirklichkeit, so wie es in unserem jeweiligen kulturellen Zusammenhang Sinn macht.
Wie ich schon schrieb, ziehe ich ein Modell vor, nach dem ich mich nicht vor etwas Negativem schützen muss, was meinen Körper angreifen und besetzen könnte. Ich bin immer für Offene Türen, möchte meine Angst nicht füttern. Ich empfinde es so, dass ich um so verwundbarer werde, je mehr ich glaube mich vor etwas Äußerem schützen zu müssen. Letztlich muss aber jeder für sich entscheiden, welches Erklärungsmodell er in seiner Shiatsu-Arbeit benutzen will.
Übrigens: in der Diskussion im Shiatsu-Journal zum Thema ‚Selbstschutz im Shiatsu’ beschreibt Zita Sieber ein Bild von Jaki, das weitgehend übereinstimmt mit dem Modell der Ki-Stagnation. Von einer „schlauen Wesenheit“, die mich potentiell bedroht, ist da nicht die Rede.
Herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Eva,
Wie ausgeprägt ist denn die Osteoporose dieser Frau? Wie hat sie zu dir gefunden? Wer hat die Osteoporose diagnostiziert? Hat sie Beschwerden, die sie auf die Osteoporose zurück führt? Hat sie schon Frakturen durch die Osteoporose erlitten? War sie deswegen schon in einer Klinik? Oder ist es eher ein Nebenbefund ohne weitere Symptome, der bei Frauen in diesem Alter nicht selten ist? All das solltest du in Erfahrung bringen, damit du gut orientiert bist.
Auch wenn ich die Antworten auf diese Fragen noch nicht kenne, kann ich grundsätzlich sagen, dass du sicherlich mit dieser Frau arbeiten kannst. Dabei solltest du wie immer im Shiatsu deine konkrete Vorgehensweise der Situation anpassen. Du kannst alle Techniken anwenden, außer solche, welche mit großem Druck v.a. auf Rippen, Wirbelsäule einhergehen. Starke Manipulationen der HWS sind auch nicht angesagt, wohl aber die sanften Techniken zur Korrektur der HWS, wie Claudia Beretta sie euch in der Stufe 9 der Kientaler Ausbildung gezeigt hat, passive traction usw. Innere Techniken sind sehr sinnvoll. Du kannst aber durchaus auch richtig einsinken. Du solltest schon Acht geben, jedoch nicht übervorsichtig sein, denn auch mit Osteoporose kann der Körper weiterhin gut in Schuss sein.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe/r a.tone,
Zunächst noch ein paar Fragen: Was war der Grund für die Darmverkürzung? Wieviel Darm wurde entfernt – war es nur ein Polyp oder ein längerer Abschnitt? Wurde vom Dünndarm oder vom Dickdarm entfernt?
Eine Darmverkürzung wird in der Regel am geöffneten Bauch und nicht laparaskopisch (per Bauchspiegelung) durchgeführt. Einen geblähter Bauch und Schwierigkeiten beim Stuhlgang würde ich 1,5 Wochen nach der OP als normal ansehen. Der Darm und der ganze Körper müssen sich langsam an die neue Situation gewöhnen. Diesen Prozess kannst du mit Shiatsu-Behandlungen unterstützen.
Arbeite noch nicht im größeren Bereich um die Naht in der Bauchdecke selber – berühr diesen Bereich gar nicht, allenfals mit Ki-Projektion, ohne physisch zu berühren. Das ist noch zu früh – geht nach 4 bis 6 Wochen, je nach dem ob es irgend welche Komplikationen mit der Naht gibt oder nicht, das zeigt sich aber erst noch. Am Rest des Körpers kannst du normales Shiatsu geben, insofern es für diese Klientin entspannend und angenehm ist. Bauchlage ist jetzt wahrscheinlich noch nicht angesagt.
Ihr Körper muss jetzt entspannen und die körpereigenen Reparaturvorgänge geschehen lassen. Wenn du den unteren Rücken in Rückenlage behandelst (vielleicht nur mit der flachen Hand?), den Schulterbereich (wegen der dort jetzt wahrscheinlich bestehenden Stressmuster) und die Beine/Unterschenkel/Füße und wo immer du Stressmuster in ihrem Körper findest, dann wird ihr das eine Hilfe sein. Und natürlich Meridianarbeit entsprechend deinem Eindruck, Rücken- und Hara-Diagnose fallen jetzt ja aus.
Sei achtsam, arbeite nicht zu invasiv, frage die Klientin immer wieder, ob deine Berührung o.k. ist, dann werden deine Behandlungen für sie eine gute Unterstützung in ihrem Heilungsprozess sein.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Josiane,
schön von dir zu lesen:-)) Ja, hoffentlich kommst du bald zurück ins Kiental!
Es ist schwierig, zu dieser Klientin etwas konkretes zu sagen, weil so viele unterschiedliche Muster ihren Schmerzen zugrunde liegen können. Die angeblichen Äußerungen ihrer Ärzte sind hierfür kaum zu verwerten.
Am wahrscheinlichsten ist, dass sie eine Schwäche des Unteren Rückens hat, möglicherweise wie von dir vermutet, weil sie ihren Körper nicht sinnvoll benutzt und ihren Rücken nicht trainiert. Sollte das der Fall sein, dann kannst du beispielsweise durch eine Lagerung versuchen, diese Schmerzen zu vermeiden. Das bedeutet z.B. in Bauchlage eine gefaltete Decke unter das Hara und eine Rolle unter die Fußgelenke. In Seitenlage bedeutet es z.B. angezogene Knie. Und in Rückenlage bedeutet es, eine Rolle unter die Knie oder Oberschenkel zu legen, evtl. auch eine Stufenlagerung mit einem sehr hohen Kissen / einem Würfel unter die Unterschenkel, und falls erforderlich ein Kissen unter dem Kopf.
Du kannst deine Klientin auffordern, dass sie während der Behandlung immer wieder das Becken bewegt in einer Weise, dass die Stelle, wo sie die Schmerzen immer bekommt, durch die Bewegung stimuliert wird.Weitere wichtige Hinweise findest du in meinem alten Artikel „Shiatsu bei Rückenschmerzen“, den du auf dieser Seite herunterladen kannst: http://www.schule-fuer-shiatsu.de/shiatsu/veroeffentlichungen/deutsche-artikel.html
Wenn ein Mensch zu mir kommt, der so ist wie du deine Kientin hier beschreibst, dann zeige ich konkrete Übungen für den unteren Rücken und füge hinzu, dass wir nur dann weiter zusammen arbeiten können, wenn sie diese Übungen auch zuhause macht. Ich lasse mir dann jedes Mal vor der Behandlung eine oder zwei Übungen zeigen und sehe dabei, wie sie diese ausführen kann. Dann sieht man sofort, ob sie die Übungen zumindest einige Male zuhause durchgeführt hat.
Es gibt noch andere mögliche Ursachen für diese Beschwerden, auf die ich hier aber nicht eingehen möchte, weil sie seltener sind.
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLieber Johannes,
Du srichst ein komplexes Thema an. Viele Faktoren wirken hier auf unterschiedliche Weise zusammen.
Zunächst einmal ist es so, dass wenn wir entspannen, die körperlichen Aktivitäten (Yang) sich vermindern. Dazugehört auch die Wärmeproduktion im Körper. Das ist ein ganz normaler Vorgang, den wir alle aus unserem Alltag kennen. Er findet auch in einer Shiatsubehandlung statt, wo die Entspannung ein wesentliches Ingredienz der Wirkung ist. Besonders ausgeprägt kann der Kälteeffekt in diesem hier angesprochenen Sinne sein, wenn man zum Beispiel auf den Feuer-Meridianen am Arm arbeitet. Aus diesem Grund sorge ich dafür, dass der Behandlungsraum immer ausreichend beheizt ist, die Klienten Kleidung tragen, die warm genug ist, und ich habe immer 2 Decken bereit liegen. Ich gehe davon aus, dass du es genau so hältst.
Ein weiterer wichtiger Grund, warum viele Menschen in Shiatsu-Behandlungen frieren müssen, liegt darin, dass weit verbreitet im Shiatsu zu langsam und zu „beschaulich“ gearbeitet wird. Der Entspannungsaspekt wird hier zu wichtig, Behandler wagen es nicht, dem Klienten klar, direkt und konkret zu begegnen, weil sie befürchten, dass sie damit die Entspannung stören könnten oder den Klienten auf andere Weise unzufrieden machen könnten. Ihr Shiatsu wird nett und freundlich; es fehlt aber etwas Wesentliches. Die Lösung dieser Ursache von Frieren liegt darin, dem Klienten direkt und konkret zu begegnen und es zu wagen, ihn auch zu fordern, wo es richtig und fruchtbar erscheint. Ein guter und konkreter Tiefenkontakt und Spüren, was man in der Tiefe berührt, gehören dazu. Shiatsu darf beispielsweise auch weh tun; wobei der Schmerz allerdings ertragbar sein muss. Wenn wir auf eine solche Weise arbeiten, werden unsere Klienten weniger frieren. Dies ist auch eine Amntwort auf deine Frage am Ende deines Beitrags.
Dann gibt es noch einen weiteren Grund fürs Frieren, der besonders dann gilt, wenn Menschen während und nach einer Behandlung eine tiefe Kälte in sich empfinden. Wenn in einer Behandlung emotional schwierige und meist alte Themen berührt werden, so können sich diese im Leben des Menschen wieder zeigen, nachdem sie vielleicht seit Jahren oder Jahrzehnten gut versteckt gewesen sind. Werden solche Themen angesprochen, so können alte Angst und andere negative Emotionen aktiviert werden. Dann kann den Menschen u.U. sehr kalt werden; und manchmal auch heiß. In solchen Situationen ist es oft hilfreich, schon während oder nach der Behandlung mit dem Klienten über das Erlebte zu sprechen, eine Erklärung für das Erlebte anzubieten, und ihnen ggf. Hinweise zu geben, wie sie im Alltag damit umgehen können.
Ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten. Ich würde mich sehr freuen, wenn noch andere Praktiker ihre Erfahrung zu diesem Thema beisteuern würden, denn meine Antwort ist sicherlich unvollständig.
herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Chiara,
Du hast bisher keine Antwort auf deine Frage nach der unerklärlichen Leichtigkeit erhalten. Das liegt wohl daran, dass niemand weiß, was sie / er darauf antworten soll.
Auch ich habe keine eindeutige Antwort, aber hier der Versuch: das Gefühl von Schwere im Körper entsteht, wenn Ki, Emotionen und / oder Feuchtigkeit im Körper stagnieren. Berührung vermag Stagnationen aufzulösen; das wird häufig als Befreiung von einer Last erlebt. Dies ist nicht nur eine seelische Erfahrung, sondern wird auch ausgesprochen körperlich erlebt. Beidem liegt der energetische Körper zugrunde; seelische und körperliches Erleben sind Ausdruck des Zustandes und der Dynamik im energetischen Körper. Aus diesem Grunde ist die Unterscheidung von seelisch und körperlich nur eine oberflächliche.
Nimm zum Beispiel, dass du mit jemandem arbeitest, der großen Druck resp. Stresss im Leben erfährt und große Anspannung beispielsweise in den Schultern oder im Rücken aufgebaut hat. Es kostet Kraft, diese Anspannung dort aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Die Ursache für den Aufbau dieser Spannung ist das seelische Erleben von Druck und Stress im Leben, Druck und Stress werden sowohl körperlich als auch seelsich erlebt.
Übst du nun in der Behandlung offenen Druck auf diese Bereiche aus, so wird das alleine schon als körperliche Entlastung erfahren, weil der Mensch die Kraft zum physischen Aufrechterhalten der Spannung nicht mehr aufwenden muss; du machst es jetzt durch den Druck (und die Arbeit mit den energetischen und körperlichen spezifischen Mustern) quasi für ihn. Diese Entlastung wird unmittelbar in der Berührung erlebt als auch in der Zeit nach der Behandlung – so lange bis dieser Mensch wieder in sein altes Muster der Stressbewältigung zurück geht – oder eben nicht.
Es kann sein, dass jemandem diese Entlastung nur körperlich bewusst wird; meist erleben die Menschen es aber sowohl körperlich als auch seelisch.Ich hoffe ich konnte dir eine Antwoert geben. Mit liebemn Grüßen,
Wilfried
23. August 2016 um 15:52 Uhr als Antwort auf: Weiterführende Literatur zu diversen Themeninhalten gesucht #12981Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Maribél,
Susan bat ich, folgende Antwort für sie ins Forum zu setzen. Ich schließe mich Susan an. herzliche Grüße, Wilfried
Hallo Maribel
Du suchst nach Literatur zu deinen Themen:Die wurden zum Teil behandelt in den Shiatsu Kongressen im Kiental
Du solltest die Kongress-Reader bei Ernst einmal sichten, ob du was passendes findest.Auch das SGS Journal hatte mal Beiträge zu deinen Themen
Ich weiss nicht, wie die alten Auflagen archeviert oder zugänglich sind….aber ich denk, da lässt sich was machenViel Glück und Spass
liebere Gruss
SusanWilfried RappeneckerModeratorLieber Beat,
Die beschriebenen Beschwerden würden zu einem sog. Karpaltunnelsyndrom passen, vielleicht noch ganz am Anfang. Erlebt sie nachts auch Kribbeln oder Schmerzen in der betroffenen Hand bzw. den Fingern?
Egal ob Karpaltunnelsyndrom oder nicht, die Ursache wäre eine physische und energetische Enge, in der Folge Stagnation im Handgelenk. Tagsüber, wenn Handgelenk und Hand in Bewegung sind, fällt das weniger auf, Ki schwingt wegen der Aktivität hindurch. Nachts aber, wenn die Arme ruhig liegen, stagniert Ki tendenziell; dann äußert sich die Stagnation dort in Form von Beschwerden.
Therapeutisch ist nicht nur die Arbeit mit dem Handgelenk wichtig, sondern mit dem gesamten Arm, auch der Nacken-Schulter-Bereich kann wichtig sein, und natürlich die Arbeit mit den Energien des Brustkorbes, und womit all das zusammen hängt.
herzliche Grüße,
Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Anna,
Danke für deinen Beitrag. Damit ermöglichst du eine breitere Diskussion.
Die Frage, ob es Jaki gibt oder nicht, entsteht im Zuge der Reflektion der Erfahrung, dass man nach Shiatsu-Behandlungen, die man gegeben hat, mitunter unangenehme Erfahrung im eigenen Körper und seelischen Zustand machen kann. Die Unterscheidung von Seiki und Jaki ist ein Konzept, ein Modell, welches uns eine Erklärung geben soll für dieses Phänomen. (Wir Menschen lieben Konzepte, weil sie uns das Gefühl von Sicherheit geben)
Ich sage nicht, dass dieses Konzept falsch ist. Ein Konzept, ein Modell kann niemals falsch sein. Es kann hilfreich sein und in ein vorhandenes Weltbild hinein passen und darin Sinn machen oder eben nicht.
Ich ziehe zur Erklärung des oben genannten Phänomens ein anderes Modell vor; eines, in dem Ki weder als gut noch als schlecht verstanden wird. Für mich ist Ki was das betrifft völlig neutral, es kann nicht gut oder schlecht sein; es ist einfach da. Es gibt allerdings Ki-Muster und Konstellationen, mit denen wir als Menschen – und auch andere Wesen – besser oder schlechter umgehen können. Vor Ki muss ich mich nicht schützen, weil es in mir ist, in jeder Zelle meines Körpers. Ich sollte allerdings in meinem Leben und in meinen Shiatsu-Behandlungen Sorge dafür tragen, dass ich mit den Mustern anderer Menschen gut umgehen kann, denn sie beeinflussen mich und mein Leben. Aber nicht weil sie gut oder schlecht sind, sondern, weil sie so sind wie sie sind.
Ein Modell wir das von Jaki, vor dem man sich schützen sollte, ist aus der Angst vor dem Gefährlichen und Dunklen entstanden, das was man nicht kontrollieren oder besiegen kann. Menschen neigen dazu, das Andere, Fremde zu dämonisieren. Dann fühlen wir uns sicherer und haben unsere Angst kanalisiert. In allen traditionellen Kulturen wurden solche Modelle entwickelt, und auch in der modernen Welt dämonisiert der Mensch das Fremde, das als bedrohlich Empfundene – siehe Flüchtlingsdebatte. Es handelt sich also um ein allgemein menschliches Phänomen. Wenn ich in meinem Beitrag im Shiatsu-Journal von einer japanischen Fehlinterpretation sprach, so meinte ich in etwas das.
Egal wie Ted Saito persönlich damit umgeht: ein solches Konzept von schlechtem Ki, vor dem man sich schützen müsse, fördert Angst und Abschottung. Eine Formulierung in deinem Beitrag wie „…dass Jaki mich nicht mehr findet“ ist Ausdruck einer solchen Tendenz zum Verstecken und Abschotten. Dabei brauchen wir das genaue Gegenteil: wir brauchen Offenheit, wir sollten uns zeigen, wenn wir uns den Herausforderungen des Lebens stellen und dabei nicht untergehen wollen. Das ist nach meiner Erfahrung der beste Schutz. Mit dieser Offenheit fällt es dann auch leichter, dem anderen Menschen zu begegnen und ihn so zu nehmen wie er ist. Ich muss mich vor ihm und seinen „Ausdünstungen“ nicht schützen, und ich sollte gleichzeitig grundsätzlich auf mich achten, und dass es mit gut geht. Wie, dazu habe ich einige Beispiele in meinem alten Artikel „Wenn Shiatsu keine Freude mehr macht“ aufgeführt. Für mich ist die regelmäßige Praxis von Yoga und Meditation entscheidend.
In deinem Beitrag lässt du den Eindruck entstehen, dass Ted als gewissenhafter Forscher das Jaki quasi nachgewiesen hat. Er zeigt den Studenten sogar, wie es sich anfühlt. Dadurch mag der Eindruck entstehen, dass Jaki eine objektive und wahrnehmbare Realität darstellt. Das ist jedoch nicht so, es ist eine Interpretation der Erfahrung von der Welt. Wir haben die Freiheit zu entscheiden, welche Interpretation wir wählen möchten. Ich wähle das Modell des offenen Ki, vor dem ich mich nicht schützen muss. Da geht es mir besser mit.
Herzliche Grüße,
Wilfried
- Diese Antwort wurde vor 9 Jahren, 5 Monaten von Wilfried Rappenecker geändert.
- Diese Antwort wurde vor 9 Jahren, 5 Monaten von Wilfried Rappenecker geändert.
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe BiSu, hier noch eine weitere Antwort, die in die gleiche Richtung geht:
Nein, es liegt sicherlich nicht an der Größe der Handflächen, auch wenn große Handflächen nicht zu verachten sind:-))
Es liegt an der Sicherheit der behandelnden Person, und wie wohl und sicher sie sich fühlt im Kontakt an Kopf und Nacken und mit der Person, die sie behandelt. Dies ersetzt verschiedene Dinge voraus: Technische Kompetenz, Freude am Kontakt (der viel zu tun hat damit, wie gut ich mich in die behandelte Person einfühlen und ihre Situation verstehen kann, und auch damit, dass es in dieser Behandlung Sinn macht, dort zu arbeiten), und eine Klientin, die sich sicher fühlt und sich dort entspannt berühren lässt. Letzteres kannst du als Behandlerin durch technische Kompetenz und Freude an der Berührung beeinflussen.
Gib dieser möglicherweise angespannten Person Zeit, sich deinen Händen anzuvertrauen. Halte dazu vielleicht nur den Kopf für eine Weile, lass alle deine Anspannung aus deinen Handgelenken herausfließen und halte nur. Beobachte dabei, wie deine Klientin langsam (vielleicht sehr langsam) beginnt zu vertrauen und sich erlaubt, von deinen Händen gehalten zu werden. Erst dann setze konkrete Techniken ein. Vielleicht ist es beim ersten Mals sogar völlig ausreichend, ihren Kopf nur zu halten.
Es ist im Shiatsu wichtig zu erkennen, wo sich eine Person gerade befindet und aus der Fülle von technischen Möglichkeiten die Techniken und Vorgehensweise zu wählen, die für diese Person eine Unterstützung sein können. Dann gehst du mit diesem Menschen, beeinflusst ihn und wirst in deinem Handeln als Shiatsu-Therapeutin von ihr mit beeinflusst.
Ich hoffe, diese Zeilen können dich unterstützen. Herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe BiSu,
es kann in der Praxis je nach Klientel häufig vorkommen, dass Klienten den Kopf nicht abgeben wollen oder können. Du hast Recht, es kann dann sehr hilfreich sein, erst an anderen Körperbereichen zu arbeiten bevor man den Kopf in die Hände nimmt. Sacrum, unteres Hara, Becken, Beine oder Füße aber auch Arme und Hände sind hier sicherlich gute Adressen.
Zu allererst aber ist es wichtig, den Zustand wie er nun mal ist zu akzeptieren, und nicht zu versuchen, den Klienten zum Loslassen zu zwingen. Anstelle dessen sollte man versuchen zu verstehen, warum dieser Menschen den Kopf nicht abgeben kann. Liegt es daran, dass der Schulter-Nacken-Bereich steif und starr ist oder liegen dort Schmerzen vor, die ein leichtes Ablegen des Kopfes erschwerten? Ist die Ursache vielleicht ein mangelndes Vertrauen in die Behandlungs¬situation, vielleicht auch eine übergroße dauerhafte generelle Anspannung? Oder liegt es einfach daran, dass dieser Mensch es nicht gewohnt ist, den Kopf loszulassen und abzulegen, dies aber rasch lernen kann? In der Behandlung muss die jeweilige Ursache berücksichtigt werden.
Was immer es aber sein mag, den Kopf abzugeben bedeutet immer, sich den Händen einer anderen Person anzuvertrauen. Deine Hände sollten also Sicherheit geben. Voraussetzung hierfür ist, dass du gerne am Nacken und Kopf behandelst, dass du hiermit bereits gute Erfahrungen sammeln konntest und die angewandten Techniken sicher beherrschst.
Auch die eigene Anspannung der behandelnden Person kann es dem Klienten schwer machen, loszulassen – Anspannung überträgt sich leicht von einem Menschen auf einen anderen. Es ist darum gut, immer wieder in deinen Behandlungen zu üben, Nacken und Kopf fließend und mit leichten, offenen und entspannten Händen zu behandeln. Achte hierbei besonders auf den Spannungszustand deiner Handgelenke und deiner Schultern und lass diese weich werden und lass Weite einkehren, solltest du dort Anspannung oder Enge entdecken. Versuch auch mal, den Kopf einfach auf deine entspannten Hände abzulegen und für 4 oder 5 Minuten nichts zu tun außer deine Hände und Handgelenke immer weiter zu entspannen, bis sie schließlich völlig losgelöst da liegen. Eine gute Übung.
Wenn der Nacken sehr verspannt ist, kann dies es den Menschen auch schwer machen, mit zur Seite gedrehtem Kopf auf dem Bauch zu liegen. In solchen Fällen hilft meist ein flaches Kissen unter dem oberen Brustkorb, dass es auch angespannten Nacken erleichtern, den Kopf in Bauchlage zur Seite zu drehen. Auch ein Body-Cushion, bei dem der Kopf grade in einen gepolsterten Ring gelegt wird, kann hier sehr hilfreich sein.
Ich hoffe, dass ich dir mit diesen Zeilen eine Unterstützung geben konnte.
Herzliche Grüße, Wilfried
Wilfried RappeneckerModeratorLiebe Sabine,
es ist durchaus möglich, dass Krampfadern und Besenreiser-Varizen an Beinen und Fusgelenken in Zusammenhang stehen mit der Undurchlässigkeit der Beine und der Füße.
Grundsätzlich darfst du bei Krampfadern normal mit Shiatsu behandeln. Wichtig ist lediglich, dass du bei evtl. lokalen Entzündungen oder Reizungen der Krampfadern nicht oder nur sehr leicht berührst, und dass du bei sehr ausgeprägten Krampfadern nicht stark in die „Löcher“ der erweiterten Venae Communicantes drückst. Das sind die Verbindungsvenen zwischen den oberflächlichen und den tiefen Beinvenen, welche bei ausgeprägten Krampfadern u.U. stark erweitert sind und sich durch in die Tiefe führende „Löcher“ im Gewebe v.a. der Unterschenkel verraten.
Im Bereich von Besenreiser-Varizen kannst du ganz normal mit Shiatsu arbeiten. U.U. gehen die Besenreiser dann sogar etwas zurück.
herzliche Grüße,
Wilfried -
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