Wulf

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  • als Antwort auf: versteckte psychische Probleme / Suizid #19868
    Wulf
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    Liebe Monika

    Leider ist dieses Thema gerade um diese Zeit des Jahres besonders aktuell. Meiner Erfahrung nach kann man in einen Menschen nicht einfach so hinein blicken. Oftmals wirken Personen, die sich mit derartigen Gedanken befassen nach außen recht unauffällig. Von daher kann man meiner Meinung nach niemandem einen Vorwurf machen, ein derartiges Vorhaben bei einem anderen Menschen nicht erkannt zu haben!

    Hätte ich allerdings den Verdacht, würde ich es schon ansprechen. Ich würde wohl nicht direkt fragen „Möchtest du dich umbringen?“ Wobei, vielleicht immer noch besser als nichts zu sagen. 🙂

    Eher in der Art „Ich habe das Gefühl, dass du auffallend gleichgültig / traurig / … bist.“ – oder was mir bei der Person aufgefallen ist. Vielleicht sind es ja auch Äußerungen gewesen, wie „Das hat eh alles keinen Sinn mehr!“ Und ich würde dann aktiv ein Gespräch anbieten. Und, meiner Meinung nach besonders wichtig – eine Kontaktstelle anbieten. In Österreich gibt es hier bundesweit tätige Organisationen wie Telefonseelsorge, ein entsprechender Dienst bei Polizei und Rettung und Landesweit operierende Institutionen. Damit hat der oder die Betroffene die konkrete Möglichkeit ein Gespräch zu suchen wenn ihnen zum Beispiel das Shiatsu Setup dafür nicht geeignet scheint.

    Was man nicht machen sollte ist, über konkrete Suizide anderer zu sprechen. Warum…?

    In Österreich – und das sieht in D und CH sicher ähnlich aus – ist die Selbstmordrate über das Jahr verteilt sehr konstant, mit einem leichten Anstieg vor und um Weihnachten. Wenn allerdings in den Medien über einen Suizid berichtet wird, gibt es kurz danach einen merkbaren Anstieg an Suiziden. Je prominenter die jeweilige Person war, und vor allem je detaillierter darüber berichtet wird, desto höher ist dieser Anstieg, weil es Menschen den sich mit entsprechenden Gedanken tragen die Möglichkeit gibt sich mit der Person zu identifizieren (Familienvater, 2 Kinder, arbeitete im öffentlichen Dienst, wie und wo genau der Suizid begangen wurde etc.). Man nennt dies den „Werther Effekt“ (angelehnt an das Buch „Die Leiden des jungen Werthers“ von Goethe). Deswegen wird in den Medien nur sehr selten über Suizide berichtet, und wenn dann werden kaum Details genannt. Aus diesem Grund spreche ich auch mit Klient:innen und Menschen in meinem Umfeld kaum über derartige Events. Wie gesagt, man kann nicht in Menschen hineinschauen…
    Jetzt könnte man sagen, gut dieser Anstieg an Suiziden nach einer entsprechenden Berichterstattung bedeutet nur, dass sich ein paar Menschen früher dazu entschlossen haben, die es sowieso gemacht hätten. Dann müsste es danach einen leichten Ausschlag nach unten geben. Interessanterweise ist das nicht der Fall. In der Statistik sind das tatsächlich zusätzliche Suizide!

    ABER dem kann man auch entgegenwirken indem man Kontakt- und Hilfsstellen nennt. Aus diesem Grund steht am Ende jeder entsprechenden Berichterstattung ein passenden Verweis…

    „Bei Bedarf wenden sie sich an …“

    Diesen gegenteiligen, ausgleichenden Effekt zum „Werther Effekt“ nennt man übrigens „Papageno Effekt“.

    Bei entsprechend guten Hinweisen kann dieser Papageno Effekt sogar stärker sein als der Werther Effekt, sodaß letztendlich tatsächlich weniger Suizide ausgeführt werden als aufgrund der gleichmäßigen Verteilung über das Jahr zu erwarten wären. Und das ist auch der Grund warum um diese Jahreszeit so oft Plakate zu sehen und entsprechende Hinweise in den Medien geschalten werden!

    Im Übrigen zahlt es sich immer aus auf eine KONKRETE, AKUTE Situation wie Ankündigungen, Abschiedsbriefe etc. zu reagieren, in der Hoffnung den oder die Betroffene rechtzeitig zu finden. Oftmals hört man Menschen sagen: „Auch wenn man jemand während eines tatsächlichen Suizidversuches retten kann, dann macht er oder sie es halt ein paar Wochen später.“ Aber das stimmt so nicht. 60% aller, die einen Suizidversuch überlebt haben (also rechtzeitig gefunden wurden oder einfach nicht „erfolgreich“ damit waren etc.) probieren es nie wieder!

    Fazit (aus meiner Sicht):
    – bei Verdacht ansprechen – behutsam und ehrlich
    – Gespräch anbieten
    – Kontakte nennen (je nach der Region wo man lebt, diese Kontaktadressen könnte man z.B. in seiner Praxis bereitliegen haben um sie sofort weiter geben zu können)
    – und vielleicht nach ner Zeit nochmal nachfragen

    – wenn jemand gar nicht bereit ist darüber zu sprechen, gibt es vielleicht die Möglichkeit einen Menschen aus seinem oder ihrem nahen Umfeld zu finden (z.B. Familienangehörige) und sie ins Bild zu setzen.
    – bei einem sehr konkreten Verdacht auf akute Selbstmordgefährdung kann man letztendlich die Behörden einschalten und z.B. die Wohnung/Haus/Garage öffnen lassen

    Ich hoffe meine Antwort war hilfreich.

    GLG

    Wulf

    als Antwort auf: Diplomarbeit über Skoliose #19676
    Wulf
    Teilnehmer

    Hi Isabel

    Spannendes Thema. Hier mein Input dazu.

    1. Generell versuche ich so wenig wie möglich Kissen, Rollen etc. unter zu legen. Grund: Wenn das Gewebe/die Spannung nachlässt, kann der Körper absinken, nachgeben. Wenn überall unterstützt wird, kann der Körper nicht absinken. Meiner Meinung nach nimmt das etwas Raum für Veränderung. Dieses nachgeben von der Schwerkraft unterstützen zu lassen hat sich für mich bewährt. Ausnahme: Wenn jemand wirklich nicht entspannt liegen kann ohne Unterstützung. Z.B. wenn nach einem Unfall das Bein nicht ganz ausgestreckt werden kann, leg ich etwas unter das Knie (in Rückenlage). Oder unter das Sprunggelenk (in Bauchlage). Wenn nach einigen Sitzungen das Bein fast ausgestreckt werden kann, lass ich die Unterstützung weg, damit der mögliche Spielraum ausgenutzt werden kann.

    2. In meiner Praxis Brustwirbelsäule. Vielleicht auch deshalb, weil die LWS größere Wirbel hat und durch das Becken nicht soviel Bewegungsspielraum hat. Is aber nur meine Erfahrung.

    3. Arbeite am Rücken in Bauchlage und mit den Ellbogen, ggf. Finger oder Ellbogen am Rücken in Seitenlage. Oftmals auch im Sitzen. Die Hüfte und Schultern dazu zu nehmen hat sich auch bewährt in meiner Praxis.
    Ich unterstütze die Arbeit mit den Händen gern durch Schröpfen.

    4. In meiner Erfahrung nicht. Obwohl es Theorien dazu gibt.

    5. Bewegung und Shiatsu. 🙂 Bewegung hat bei allen meinen betroffenen Klient:innen einen sehr positiven Effekt gehabt. Die schlimmste Skoliose, die ich jemals gesehen hab, hatte eine Klientin, die Balletttänzerin in der Wiener Staatsoper war. Aber weil sie jeden Tag stundenlang trainiert hat, hatte sie null Beschwerden. Gar nix. Das war schon sehr interessant. Die ist wegen was ganz anderem zum Shiatsu gekommen. 🙂

    Hoffe es ist was hilfreiches dabei.

    GLG

    Wulf

    als Antwort auf: Panik vor Krankheiten #19518
    Wulf
    Teilnehmer

    Liebe Linda

    Schön von dir zu hören und danke, dass du dir die Zeit nimmst mit uns zu teilen, wie es mit deiner Klientin weiter gegangen ist! Was du beschreibst klingt nach einem guten Behandlungsverlauf. Well done! Besonders schön finde ich, dass ihre Probleme stark an Wichtigkeit verloren haben, obwohl du die Probleme selbst ja gar nicht adressiert hast. Du hast eher ihr Vorhandensein selbst relativiert.

    Danke für deinen Beitrag im Forum und dafür, dass du deine Erfahrung auch mit anderen teilst!

    Ganz liebe Grüße aus Wien

    Wulf

    als Antwort auf: Panik vor Krankheiten #19293
    Wulf
    Teilnehmer

    Hallo Linda

    Liebe Grüße aus Österreich. Du beschreibst ein sehr interessantes Muster und ich würd gern was dazu beitragen. Ich glaub, dass deine Herangehensweise nicht schlecht ist. Wasser wegen des nicht zur Ruhe kommenden Geistes und ihrer Vorliebe für „extreme Lebenssituationen“ (wobei ich hier nicht genau weiss, was du damit meinst). Wenn das bedeutet, dass sie ein ausreichendes Maß an „Drama“ in ihrem Leben braucht, mag das ebenfalls auf das Feuer hindeuten. Die Berührung des Wasserelements hilft ihr also runter zu kommen, und ihr Vertrauen zu stärken, ihre Angst zu lindern.

    Besonders interessant finde ich aber das Erdelement, das du ja auch als relevanten Punkt mit in die Behandlung integrierst. Nachdem wie du die Situation beschreibst, wirkt es auf mich weniger wie Panik oder Angst sondern eher wir nie enden wollendes Sich-Sorgen-machen, was ich dem Erdelement zuschreiben würde. Interessant wäre wie ihr Schlaf aussieht. Wenn der Schlaf kein großes Thema ist, würd ich den Fokus von der Wasser-Feuer-Achse vermehrt auf das Erdelement bzw. die Erd-Holz-Achse legen. Warum Erde und Holz? Die Erde: Als jemand, der sich immer schon intensiv um andere gekümmert hat (was du ja erwähnst), ist sie vermutlich ein erdiger Typ, der von Haus aus dazu neigt in ein solches Muster zu kippen, wenn sie außer Balance ist. Und Holz weil das hoffentlich hilft, ihre rotierenden Sorgen zu mindern, die man letztendlich als eine gedankliche Stagnation verstehen kann. Da geht nix weiter, das geht immer nur im Kreis ohne zu einer Lösung zu führen. Das Holz hilft uns hier Dynamik für Veränderung rein zu bringen. Ich weiss nicht wie sie aussieht, oder wie ihr Körper sich anfühlt, aber ich könnte mir vorstellen, dass Leber und/oder Galle recht gespannt sind (Hara oder Meridianverlauf). Der Dreifache Erwärmer kann hier als Mitglied der dritten Meridianfamilie ebenfalls sehr hilfreich sein. Die Arbeit in der Erde und dem Holz ist wie den Lastwagen aufladen, die Arbeit am DE ist wie den Lastwagen weg zu fahren und die Ladung zu verteilen.

    Also:
    Check ob Wasser wirklich Thema ist, also wie ist der Schlaf?, ist Kälte im Körper Thema? Wenn Wasser nicht das Hauptthema ist und für mich sieht es eher danach aus -> tendenziell mehr auf die Erde (tief und stabil), das Holz (tief aber dynamisch) und den DE (bewegend) konzentrieren.

    Interessant ist vielleicht auch die Frage an sie: „Wie wäre es wenn du keine Gedanken mehr an etwaige Krankheiten verschwenden müsstest/würdest?“ Wie wäre das für sie? Wie würde sich das anfühlen?
    Das kann ihr helfen, ein Gefühl dafür zu bekommen wie das „Ziel“ aussieht. Oder es kommt zu Vorschein, warum sie das Muster etabliert hat. Würde sie dann weniger Aufmerksamkeit bekommen? Müsste sie sich dann um andere Dinge in ihrem Leben kümmern, die sie sich jetzt nicht ansehen muss, weil sie so busy ist mit ihren Sorgen?

    Vielleicht helfen meine Gedanken dir bei deiner Herangehensweise. Mich würde sehr interessieren, ob sich dadurch was verändert.

    Alles gute!

    Wulf

    als Antwort auf: schwindel nach behandlung #18460
    Wulf
    Teilnehmer

    Liebe Annatina

    Das ist eine echt interessante Frage die du stellst. Es ist immer schwierig Inputs zu geben, wenn man die Klienten nicht kennt. Ganz allgemein denke ich auch, wie schon andere an dieser Stelle gemeint haben, dass Chi frei kommt und es dann nach oben zieht. Da ich wenig über die Klienten weiß, möchte ich folgendes vorschlagen: Um das „Ausleiten“ der Energie zu unterstützen ist es wichtig, die Ausgänge gut zu öffnen. Aufgrund deiner Beschreibung würde ich zu den Händen tendieren, weil sie nahe dem Kopf liegen, wo sich die Hitze am Stärksten zeigt. Ebenso wichtig ist es den Nacken, als „Engstelle“, gut zu behandeln. Das sollte helfen, die Hitze nach unten über den Körper zu verteilen und den Überschuss aus zu leiten. Die Behandlung der Hände hilft zusätzlich das Herz zu beruhigen (falls die Klientin „Schiss kriegt“). Um das Ab- und Ausleiten zusätzlich zu unterstützen könntest du noch DI 4 und DI 10 intensiv behandeln.
    Ich denke, dass es auch wichtig ist, dass du ruhig und sicher bleibst. Es geht um eine energetische Reaktion und damit kannst du umgehen. Je „cooler“ du bleibst, desto besser fühlt sich deine KlientIn aufgehoben und desto ruhiger bleibt er/sie.
    Ich hoffe die Antwort war hilfreich.

    Ganz liebe Grüße aus Wien

    Wulf

    als Antwort auf: Tinnitus #17340
    Wulf
    Teilnehmer

    Lieber Beat

    Wie Mike bereits geschrieben hat, ist Tinnitus echt ne Herausforderung, die es nötig macht, ein paar Details abzuklären. Aber du sagst selbst, dass es sich möglicherweise nicht wirklich um Tinnitus handelt.

    Seinen eigenen Herzschlag zu hören, oder ein Pochen im Kopf zu spüren, hat meiner Erfahrung nach sehr oft damit zu tun, dass der Nacken und Hals unter Spannung stehen. Ne Art Fülle im Hals und Kopf-Bereich. Sehr oft geht das mit Stagnation in der Galle und an der Vorderseite des Halses, dem Magenmeridian, einher. Manche beschreiben das Gefühl als seitlichen Druck auf die Kehle.

    Ich hab gute Erfahrungen damit, den Hals und den Trapezius gut und intensiv zu öffnen. Hier kann man mit GB 21 nen guten Akzent setzen. Die Behandlung des Gallen-Meridians seitlich am Kopf, z.B. mit dem Daumen, hat mir in solchen Fällen auch schon gute Dienste geleistet. Ebenso ist es sinnvoll, den Nacken gut zu behandeln, zu dehnen und zu öffnen. Oft empfiehlt sich auch MA 9 direkt zu behandeln. Über den Dickdarm Meridian am Arm und über die Hände kann man die Kopf-Nacken Partie gut aus der Peripherie erreichen. Der Magen hilft uns die Energie nach unten zu leiten, dabei können wir ihn mit der MA-MI-Dehnung als Hausaufgabe für die Klientin unterstützen.

    Das ist jetzt natürlich ein etwas symptombezogener Zugang, aber ohne die Klientin zu kennen, ist es schwer eine differenziertere Diagnose zu bieten. Wenn sie mal Erleichterung erfahren hat, kann sie vielleicht auch besser spüren woher das kommt.

    Aber probiers mal aus. Vielleicht hilft dir das weiter.

    Ganz liebe Grüße aus Wien.

    Wulf

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