Innere Techniken

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  • Dieses Thema hat 2 Antworten und 3 Stimmen, und wurde zuletzt aktualisiert vor 8 Monaten von Chiara.
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  • #19601

    So-Young

    Teilnehmer

    Hallo zusammen,
    wir beschäftigen uns gerade mit den inneren Techniken und bei der Anwendung in der Behandlung sind bei mir folgende Fragen aufgetaucht:

    1. Wie lange kann oder sollte eine innere Technik, zum Beispiel eine Ki-Projektion andauern?

    2. Gibt es zu den inneren Techniken auch Möglichkeiten, wie ich diese in
    meinem eigenen Körper spüren kann (neben der Aufrichtung und im Zentrum sein)? Kann
    ich zum Beispiel bei einer Verbindung auch etwas in mir selbst verbinden, oder bei einer Ki-Projektion in mir selbst einen Bereich anvisieren?

    3. Wie kann ich noch mehr über meinen Körper arbeiten, als über eine Vorstellung, die sich vorwiegend in meinem Geist abspielt?

    #19602

    Liebe So-Young,

    Danke für deine Fragen zu den Inneren Techniken. Ich versuche mal, sie der Reihe nach zu beantworten:

    1.
    Eine Innere Technik soll so lange andauern, wie du es für richtig hältst. Um das einschätzen zu können, musst du aber erst in der Praxis mit diesen Techniken vertraut werden. Das bedeutet, dass du sie um sie zu üben in deinen Behandlungen regelmäßig und oft einsetzt.

    Grundsätzlich möchte ich empfehlen, dass du sie an einer Stelle / Punkt jeweils so lange einsetzt, bis das lebendige Gefühl entsteht, dass „es funktioniert“, d.h. dass du beispielsweise beim Freien Ki Feld das Gefühl erhältst, dass sich da unter deiner Hand oder deinem Daumen wirklich der Raum öffnet bzw. leichter wird. Bei der Technik der Verbindung soll das Gefühl entstehen, dass du den verbindenden Raum zwischen beiden berührten Stellen in den Händen hältst. Dabei genügt es, dass dieses Gefühl gerade sich zu zeigen beginnt. Dann ist es genug und du kannst weiter gehen. Das sollte auch ganz zu Beginn deines Übens nicht länger als 5, 10 oder max. 20 Sekunden dauern. Später, mit mehr Erfahrung, wird es sich sehr viel schneller einstellen, und wird meistens sofort bzw. an widerständigen Stellen nach wenigen Sekunden eintreten.

    Die Dauer ist auch abhängig davon, wo du eine Innere Technik einsetzt. Wenn du beispielsweise in der Meridianarbeit mehrere Punkte hintereinander in der Tiefe berührst, so ist es wichtig, dass das Aufeinanderfolgen der Tiefenkontakte einen Fluss entstehen lässt. Daher sollte jeder einzelne Kontakt nicht zu lange dauern, damit dieser Fluss nicht unterbrochen wird. So bald du also den Eindruck erhältst, dass „es funktioniert“, gehst du weiter zum nächsten Tsubo.

    Wenn du hingegen im Meridianverlauf auf eine wichtige bzw. interessante Stelle stößt, beispielsweise ein deutliches Kyo oder Jitsu, mit dem du intensiver arbeiten möchtest, so kannst du mit der Inneren Technik länger dort bleiben und die Wirkung auf diese Stelle erkunden. Das gleiche gilt beispielsweise für eine Ki-Projektion von den Schultern zum Becken oder unteren Rücken, wenn du der entstehenden Verbindung Zeit geben willst, zu wirken.

    Allerdings möchte ich empfehlen, auch in solchen Stellen die Dauer von 2 Minuten nicht zu überschreiten. Beim Üben in der Meridianarbeit möchte ich empfehlen, insgesamt nicht mehr als 4 oder 5 Minuten in einem Stück zu üben, weil auch zu langes Üben den Fluss deiner Behandlung stören würde.

    Am wichtigsten ist die Aufrichtung, die Weite und die Präsenz in dir; die darf beim Üben nicht verloren gehen.

    2.
    Verstehe ich deine 2. Frage richtig, dass du wissen möchtest, ob du Innere Techniken, d.h. deine eigene fokussierte Vorstellung auch in deinem eigenen Körper einsetzen kannst?

    Grundsätzlich kannst du mit deiner Aufmerksamkeit auch Orte in deinem eigenen Körper ansteuern und dann schauen, was sich verändert. Das tun wir beispielsweise bei der Technik „Durch den Dauen schauen“ (eine Form der Ki-Projektion) vom Kopf oder von Niere 1 aus, in der wir uns vorstellen, dass der Daumen sich verlängert und weit wird. Ähnliches kannst du auch mit jeder anderen Stelle in deinem Körper machen. Das ist sehr interessant und wird dir viel über dich selber und deine Möglichkeiten erzählen. Wenn du beispielsweise eine schmerzende Schulter hast, so kannst du mit deiner entspannten (!) und fokussierten Aufmerksamkeit das Zentrum der schmerzenden Stelle berühren. Aber Vorsicht: nicht anstregen oder etwas erzwingen wollen.

    3.
    Du schreibst: „Wie kann ich noch mehr über meinen Körper arbeiten, als über eine Vorstellung, die sich vorwiegend in meinem Geist abspielt.“ Das machst du doch, wenn du auf Aufrichtung, Präsenz und Weite achtest. Das Prinzip besteht darin, dass du dem energetischen und physischen Körper der empfangenden Person deine eigene Weite und Freiheit anbietest, und zwar fokussiert auf eine Stelle, einen Raum oder eine Verbindung. Dabei wollen wir nicht direkt verändern, sondern mehr zuschauen, wie der Körper und das System des Empfängers auf die angebotene fokussierte Präsenz reagiert. Dann passen wir unser weiteres Vorgehen diesen Reaktionen an.

    Deinen Geist hat nicht die Kraft, die deine eigene innere Weite und Präsenz entwickeln können; er hat lediglich eine Lenkungsfunktion. Die benutzt du dazu, zu entscheiden, wann und wo du eine Technik einsetzen willst, und dann sorgt dein Geist noch für das Aufrechthalten der Fokussierung auf eine Stelle, einen Raum oder eine Verbindung. Mehr macht der Geist nicht. Die Kraft der Inneren Techniken, ihr Motor, liegt in deiner entspannten und weiten Präsenz in deinem eigenen Resonanzraum. Vor allem diese will ausdauernd geübt werden. Das Schöne ist, dass die Praxis der Inneren Techniken diese Präsenz und Weite in dir fördern; sie sind eine Form von Qi Gong.

    Mit den Inneren Techniken wollen wir – wie auch sonst im Shiatsu – eine Veränderung anstoßen, allerdings nicht indem wir selber aktiv verändern, sondern indem wir durch unsere Präsenz und Weite dem Körper des Empfängers die Freiheit anbieten, selber eine Veränderung entstehen zu lassen. Dazu müssen wir zuschauen, hinspüren und beobachten. Und Geduld haben.

    herzliche Grüße,

    Wilfried

    #19603

    Chiara

    Teilnehmer

    Lieber Wilfried

    Wie du auf Punkt drei antwortest, finde ich sehr schön. Ich war sehr gespannt auf deine Anwort.

    Und schon nur, wenn ich das lese, werde ich weit und frei und freue mich an den Möglichkeiten, die Shiatsu uns bietet, in der Welt zu sein.
    Liebe Grüsse
    Chiara

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