Anspannung/Widerstand während der Behandlung

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  • #19608

    Stefanie

    Teilnehmer

    Ich hatte einen Klienten, der mit einem aktuellen Anliegen i.S. von körperlichen Beschwerden zu mir kam. In der Behandlung entstand bei mir der Eindruck, ihn kaum zu erreichen. In der Berührung traf ich auf viel Festhalten (Widerstand?). Ein Gefühl von „Miteinander“ oder Kooperation entstand kaum; und obwohl ich mich sehr bemühte, bei mir zu bleiben, gelang das unter diesen Voraussetzungen nicht wirklich. Dabei deckte sich seine Wahrnehmung mit meiner; nach der Behandlung meinte er: „Ich hatte nicht den Eindruck, dass mein Körper mit dir kommuniziert hat.“
    Mir ist nicht ganz klar, ob dies mehr an mir oder an ihm liegt – es fand seinerseits wenig spürbare Entspannung statt, sein Körper wirkte (so wie auch in Alltagsbewegungen) eher steif, so dass Rotationen schnell als unangenehm empfunden wurden. Muskeln zum Beispiel am Fuß oder Rücken reagierten schnell mit Krämpfen, was bei mir dann zu Unsicherheit führte.
    Nach der Behandlung war ich doch eher ratlos. Ich überlege, wie ich damit im Kontakt mit Klienten generell umgehe, wenn mir das wieder begegnet. Würdest du sagen, dass für einige Menschen Shiatsu – womöglich auch nur in der aktuellen Situation – nicht der richtige Zugang ist, oder lohnt es sich immer wieder, dies neu zu erproben? Für mich stellt sich die Frage, ob weitere Behandlungen bei diesem Klienten derzeit sinnvoll sind oder eher zu einem späteren Zeitpunkt.

    #19609

    Liebe Stefanie,

    Zu manchen Menschen bekommen wir im Vergleich zu anderen nur schwer Zugang. Das wirst du noch häufiger erleben, je mehr du mit fremden Personen arbeitest, die Shiatsu beispielsweise noch gar nicht kennen. Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein.

    Das Gefühl der behandelnden Person, einen Klienten in der Berührung zu erreichen, hängt zu großen Teilen davon ab, wie stark beide beteiligten Personen sich auf ein gemeinsames Resonanzfeld einlassen. Haben wir in einer Behandlung das Gefühl, mit dem Empfänger gut verbunden zu sein, so ist meist das Resonanzfeld recht stark.

    Grundsätzlich sollten wir in der Lage sein, auch mit Menschen zu arbeiten, mit denen kein lebendig spürbares Resonanzfeld entsteht, und bei denen nicht das Gefühl von ‚Miteinander‘ entsteht. Es kann sogar sehr interessant werden, wenn du dir dann Gedanken dazu machst, warum dieser Mensch sich nicht öffnen kann. Beispielsweise kann Stress dahinter stehen, seelische Anspannung, Verletzungen oder Angst. Mitunter kann man die Anspannung förmlich ‚mit Händen greifen‘.

    Unsere Herausforderung liegt dann darin, uns auf diesen Menschen einzulassen, ihm sozusagen auf seiner Ebene zu begegnen, und so seine Besonderheit besser zu verstehen. Und ihn so anzunehmen, wie er nun mal ist. Natürlich wird das auch deine Berührung und Behandlung beeinflussen, und das ist gut so.

    Natürlich kann die fehlende Resonanzentwicklung auch daran liegen, dass du selber auf ihn oder auf seine fehlende Fähigkeit, sich auf dich einzulassen und zu entspannen, mit Anspannung reagierst. Es genügt in solchen Situationen nicht, bei sich zu bleiben, auch wenn das eine sehr wichtige Sache ist; genauso wichtig ist es, dass du weich wirst, wenn du dich auf ihn ‚eintunest‘.

    Und es kann sehr wohl Sinn machen, mit einem solchen Menschen weiter zu arbeiten, denn er kann sehr von deinen Behandlungen profitieren – wenn er das will. Am besten du gehst mit niedrigschwelligen Erwartungen an solch eine Behandlung heran. Erwarte nicht zu viel, kleine Schritte können sehr wichtig sein.

    Berichte an dieser Stelle gerne wieder, wie es mit diesem Klienten weiter ging.

    herzliche Grüße,

    Wilfried

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