unangenehme reaktion auf shiatsu

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  • #11144
    Chiara
    Teilnehmer

    liebes Forum
    heute hatte ich in meiner Praxis eine Reaktion einer klientin, die ich mir nicht ganz erklären kann. die Klientin kam in einem angeregten bis hin zu überdrehtem zustand zu mir.
    sie ist sehr auf trab, ganz vieles ist gleichzeitig los und so kann sie schlecht runterfahren und liegt auch nachts wach. – in der Behandlung ging es eine geraume zeit, bis sie in den parazustand Switchen konnte. dann war das ganze System offen, weich und beweglich. nach der Behandlung war ihr aber schwindlig und übel(sie merkte auch, dass sie vergessen hatte zu essen) und sie war sehr müde(die Müdigkeit,die jetzt zum Vorschein kam).
    meine frage ist, hab ich sie mit dem shiatsu in einen zu entspannten zustand geführt? oder was ist da genau passiert? kann ich als Therapeutin, vermeiden, dass sie in diesen zustand kommt? und soll ich das, wenn ja?
    liebe grüsse
    chiara

    #11145

    Liebe Chiara,
    natürlich kann ich nicht wissen, was genau bei diesem Menschen geschehen ist.
    Interessant wäre es, zu erfahren, warum sie in einem überdrehten Zustand zur Behandlung kam. Weißt du da mehr dazu, bzw. was glaubst du war die Ursache? Ist das ihr Dauerzustand oder war es eine einmalige Sache? Wie lange hat der Schwindel angehalten – bestand er noch als die Klientin ging oder hatte er sich schon gelegt?
    Wie ist sie mit dieser ihrer Reaktion umgegangen? War sie ihr sehr unangenehm oder konnte sie diese annehmen, vielleicht hatte sie sogar eine Erklärung dafür?
    Antworten auf diese Fragen würden es leichter machen, die Reaktion einzuschätzen. Vielleicht kannst du mir hier noch mehr Infos geben?
    Grundsätzlich aber verämndert Shiatsu den Menschen nicht, sondern erlaubt ihm, anders auf die auch vorher schon bestehenden inneren und äußeremn Umstände zu reagieren. Ebenso grundsätzlich ist eine solche Reaktion, in der ein Mensch sehr müde wird, im Shiatsu grundsätzlich eine gute Situation, die nicht vermieden werden sollte. Man sollte aber mit der Klientin darüber sprechen und es ein wenig erklären,
    Schwindel kann z.B. auftreten, wenn der Brutdruck in den Keller geht, weil jemand z.B. sehr erschöpft ist. Er kann aber auch auftreten, wenn energetische Blockade-Muster, die lange bestanden haben, frei werden. Lange gebundene Energie geht wenn sie freigesetzt wird nach oben in Richtung Oberkörper und Kopf. Wenn dann noch eine große Erschöpfung hinzu kommt, dann kann das Yin der Nieren-Energie die nach oben rauschende Yang-Kraft der Leber nicht mehr im Gleichgewicht halten und es kann zu einer Vielzahl von Beschwerden kommen, z.B. Tinnitus, Hörsturz, steifer Nacken oder steifer Hals, Kopfschmerzen und eben auch Schwindel.
    In aller Regel sind solche Reaktionen gutartig und geben sich bald nach einer Behandlung wieder. Man sollte aber wie gesagt mit der Klientin darüber sprechen, damit sie sich keine unnötigen Sorgen macht, sondern versteht, dass etwas in Bewegung gekommen ist. Darum kommen die Menschen schließlich zu uns.
    Du kannst nur wenig tun, um solche Reaktionen zu vermeiden. Manchmal sind es bestimmte Körpoerstellen oder bestimmte Techniken, bei deren Berührung bzw. Anwendung sich solche Reaktionen einstellen. Dann kann man das vermeiden. Meistens aber sind es einmalige Reaktionen, die sich eh nicht oder nur deutlich schwächer wiederholen.
    Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Hinweise geben.
    Mit lieben Grüßen,
    Wilfried

    #11146
    Chiara
    Teilnehmer

    lieber Wilfried

    danke dir für deine antwort. doch, sie hilft mir weiter. ich denke, dass es in diesem fall eine erschöpfung und ein abfallender blutdruck war. ja, ihr war noch schwindlig als sie ging.- ich hatte den fall absichtlich so rudimentär geschildert, weil es ja eine sehr öffentliche plattform ist und ich nicht den persönlichkeitsschutz der klientin verletzen wollte.-für mich war auch wichtig zu wissen, dass ich nur wenig tun kann, um solche reaktionen zu vermeiden. und ja wichtig die person zu begleiten in diesem prozess. sie hat selber gesagt, für sie sei es wichtig zu merken, dass sie sich in den jetzigen umständen mehr ruhe gibt, da eben die gefahr da ist, dass man eine erschöpfung nicht merkt, wenn man dauerbeschäftigt ist. das würd ich auch als wichtigen punkt einschätzen.
    liebe grüsse
    chiara

    #11337
    Chiara
    Teilnehmer

    liebes Forum
    ich habe immer wieder klienten, die der festen überzeugung sind, sie müssten zu chiropraktor,
    und sich „richten“ lassen. der chiropraktor hat ihnen genau erklärt, wo die fehlstellung ist, z.b
    Wirbelsäule sitzt nicht gerade im becken und deswegen, hätten sie ihre rückenschmerzen. das
    leuchtet den meisten sehr ein. schon öfters habe ich die erfahrung gemacht, dass die schmerzen
    aber nicht abnehmen, sondern sich in einen anderen teil des skeletts verschieben und das dann
    dementsprechend wieder gerichtet werden muss. in letzter zeit hege ich sogar den verdacht, dass
    die chiropraktiksession die langsam und sanfte erreichte arbeit im shiatsu negativ beeinflusst.
    wie seht ihr das?
    liebe grüsse
    chiara
    p.s.es war mir nicht möglich eine neue frage zu starten, also hänge ich sie an meine alte

    #11383
    Jürgen Westhoff
    Moderator

    Liebe Chiara

    Deine Beobachtung ist nach meiner Einschätzung recht zutreffend. Was beim „Einrenken“ gemacht wird, ist dass der Knochen, z.B. ein Wirbel, an einer oder mehreren Gelenkfacetten wieder an seinen ursprünglichen Platz gerenkt wird. Was dabei oft unberücksichtigt bleibt ist die Umgebung, d.h. Muskeln, Sehnen, und vor allem auch Faszien, die sich auf den verschobenen Platz des Knochens eingerichtet haben, und das neue Muster nicht mit übernehmen (schätzungsweise werden nur etwa 30% der neuen Muster „einfach so“ ins gesamte System integriert). Deshalb ziehen sie den Knochen quasi innerhalb von wenigen Tagen wieder zurück an den alten Platz. Die Beschwerden kommen zurück.

    Oder innerhalb des Systems wird zwar eine neue Lösung gesucht, der Körper kompensiert wieder, aber woanders, er verschiebt „das Problem“ in eine andere Region. Das was du beobachtet hast.

    Es gibt unterschiedlich Herangehensweisen („Schulen“) innerhalb der Chiropraktik: solche, die quasi wirklich „nur“ zurechtrücken (das nennt sich Manipulation, und ist auch eine: ein starker Eingriff, der tief ins ganze System „hallt“), andere die bei der Manipulation die Umgebung mehr miteinbeziehen. Das Zweitere ist sicher wirkungsvoller.
    Was meines Wissens nicht berücksichtigt wird, ist dass z.B. ein Wirbel auch von innen her verzogen sein kann, dass als Beispiel die Nierenfunktion auf einer Seite eingeschränkt ist, der Psoasmuskel, den die Niere als Gleitlager nutzt, dadurch unter Spannung kommt, und dann an einem Lendenwirbel zieht und ihn so z.B. verdreht. Das kann also von allen Organen her kommen, oder von tiefen Faszeienverbindungen, vom Zwerchfell etc.
    Damit beschäftigt sich die Osteopathie. Wenn du also den Eindruck hat, jemand „braucht“ ein Zurechtrücken, oder dass nach tieferen strukturellen Zusammenhängen gesucht wird, kannst du so eine KlientIn eher zur OsteopathIn schicken, als zur ChiropraktikerIn. Das wär meine Empfehlung.

    Innerhalb der osteopathischen Herangehensweise gibt es „indirekte“ Techniken, die den Knochen nicht gewaltsam zurückschieben, sondern ihn auf unterschiedliche Weise auf „seinem“ Weg begleiten selbst wieder zurückzufinden. Das entspricht deutlich mehr der Herangehensweise im Shiatsu, und ist auch besser kompatibel. Im Shiatsu ist es ja immer ein Anliegen, daß die Berührungen und Impulse ins gesamte System integriert werden können. Darum geht es.

    Es kann schon sein, daß neue Lösungen, die das System durch Shiatsu gefunden hat, durch ein Einrenken wieder erschüttert werden. Das System macht durch so eine Behandlung evtl. eher „dicht“, wenn das nicht gleich integriert wird, und ist dadurch schwerer erreichbar ist. Günstig ist also eine Shiastubehandlung direkt nach dem Einrenken, wenn es denn sein soll, zur Integration und Weiterführung. Ich habe erlebt, daß sich nach einer Manipulation in der Shiatsubehandlung tiefe Emotionen lösen konnten, Zusammenhänge aus der tiefe ins Bewusstsein kommen konnten etc. Da hat es wirklich Sinn gemacht, „die Tür einmal kräftig aufzustoßen“.

    Ich hoffe das führt weiter für dich,
    herzliche Grüße
    Jürgen

    #11446
    Chiara
    Teilnehmer

    lieber Jürgen
    vielen dank für deine sehr aufschlussreiche antwort. – ja, meine Wahrnehmung kann ich an deiner antwort dingfest machen.
    bis zum nächsten mal liebe grüsse
    chiara

    #11613
    Chiara
    Teilnehmer

    lieber wilfried
    eine frage direkt an dich als shiatsutherapeut und arzt: wie stehst du zu einem moderaten einsatz von schmerzmitteln? zum beispiel im falle einer frozen shoulder? das schmerzmittel unterbindet ja einfach gesagt die übertragung des schmerzreizes ans gehirn. ist es nun so, dass diese schmerzmessage vom körper in jedem fall die „richtige“ botschaft wäre, sprich wenn diese durch das schmerzmittel unterbunden wird, geht man eigentlich über seine momentanen grenzen in der bewegung? oder kann man das nicht so 1 zu 1 sagen? ich hoffe, du verstehst meine frage.
    liebe grüsse
    chiara
    p.s. da ich irgendwie keine neue frage stellen kann, hänge ich sie wieder an den alten dialog

    #11614

    Liebe Chiara,

    Schmerzmittel sind ein wichtiges Element jeder Medizin. Wenn Menschen starke Schmerzen haben, können Schmerzmittel diese lindern – es ist wunderbar, dass es diese Mittel gibt. Im Fall einer frozen shoulder z.B. kann ein Schmerzmittel u.U. die Anspannung im System mindern, was dem betroffenen Menschen die Möglichkeit eröffnen kann, die Schulter wieder etwas freier zu bewegen und dadurch die Ki-Stagnation zu mindern. Schmerzmittel sind etwas durchaus Gutes.

    Allerdings werden Schmerzmittel in der modernen Gesellschaft viel zu viel verordnet und eingenommen, auch bei nur leichten Schmerzen und Unpässlichkeiten. Das ist nicht sehr sinnvoll, weil sie uns dann davon abhalten, uns mit dem Schmerz und der zugrunde liegenden Lebenssituation lebendig auseinander zu setzen.

    Noch ein Hinweis: einen neuen Beitrag eröffnest du, in dem du auf der Vorseite zu dieser Seite (https://forum.kientalerhof.ch/forum/shiatsu/) ganz unten unter der Zeile „Neues Thema erstellen in “Shiatsu Forum (Erfahrungsaustausch und Fragen an die Lehrer)”“ ein neues Thema eröffnest. Eigentlich ging das bisher immer ganz leicht.

    herzliche Grüße,

    Wilfried

    #11615
    Chiara
    Teilnehmer

    lieber wilfried

    deine antwort ist für mich sehr spannend, vielen dank.

    leider hab ich irgendetwas „vermurkst“, so dass bei mir bei neues thema erstellen, der rechte rand nicht mehr da ist und somit auch der sendeknopf fehlt.
    liebe grüsse
    chiara

    #11622
    Kientalerhof
    Administrator

    Liebe Chiara.

    Wenn du eingeloggt bist im Forum, gehe auf die Hauptseite sprich in das Verzeichnis „Shiatsu Forum (Erfahrungsaustausch und Fragen an die Lehrer)“, also da wo du deine Frage platzieren willst.

    Ganz zuunterst gibt es im gleichen Stil wie wenn man eine Antwort schreiben will auch die Möglichkeit neue Fragen zu platzieren.

    Hoffe das hilft.

    LG Martin

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